Wie aus dem Nikolaus der Weihnachtsmann wurde

Wie aus dem Nikolaus der Weihnachtsmann wurde...

Plötzlich steht er vor dir. Ein Mann in rotem Anzug und mit einem weißen Rauschebart. Du überlegst einen Moment und kommst trotzdem zu keinem Ergebnis: Wer steht denn dort nun vor dir: Ist es der Nikolaus, der am 06. Dezember die Stiefel füllt, oder doch der Weihnachtsmann, der knapp drei Wochen später kommt? Und wieso sehen die beiden sich manchmal zum Verwechseln ähnlich? Was der Nikolaus mit dem Weihnachtsmann zu tun hat, erfährst du in diesem Beitrag.

Nikolaus - Der Promi unter den Heiligen

Dieser Nikolaus muss eine kleine Berühmtheit sein, denn allein Google findet 37,8 Millionen Ergebnisse – das sind rund dreimal so viele wie beim Weihnachtsmann. Wenn wir heute vom Nikolaus sprechen, meinen wir den Bischof Nikolaus. Er lebte im vierten Jahrhundert nach Christus in Myra, einer Stadt in der heutigen Türkei. An seinem Namenstag, dem 06. Dezember, beschenkte der sehr großzügige Bischof alle Kinder in der Umgebung. Um den Heiligen Nikolaus zu ehren, wurde dieser Brauch auch nach seinem Tod von den Eltern fortgeführt. Noch heute gilt der Nikolaus als Kultfigur und füllt am 06. Dezember die Stiefel. Man trifft ihn – oder seine Vertreter – heutzutage vor Supermärkten, in Einkaufszentren und auf Weihnachtsmärkten und erhält im Tausch für ein schönes Gedicht einige Süßigkeiten.

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Nun ist es ein seltsamer Zufall, dass auch der Weihnachtsmann für seine Großzügigkeit bekannt ist und Geschenke bringt, hat er sich dieses Handeln etwa beim Nikolaus abgeguckt? Bekannt ist nämlich, dass der Nikolaus deutlich älter ist als der Weihnachtsmann. Zudem ist der Brauch der Gabenverteilung am 06. Dezember nicht mehr so üppig wie es die Tradition vorsah.

Die Geburt des Weihnachtsmannes

Da es in unserer Kultur üblich geworden ist, am Nikolaustag nur noch Süßigkeiten oder Kleinigkeiten zu verschenken, hat die Bescherung am 24. Dezember diesen Brauch abgelöst. Nach der Reformation um 1600 gewann der christliche Glaube enorm an Bedeutung. In Anlehnung an die Geburt Christi, bei der die Heiligen Drei Könige Weihraum, Gold und Myrrhe schenkten, findet die Bescherung seit jeher an Weihnachten statt. Es entstand der Brauch, dass evangelische Kinder ihre Geschenke vom Weihnachtsmann erhielten, während bei katholischen Familien das Christkind die Geschenke brachte.

Doch der Weihnachtsmann hat dem Nikolaus nicht etwa die Show gestohlen, er verdankt ihm in gewisser Weise sein Leben. Denn Bischof Nikolaus gilt als Vorgänger des heutigen Weihnachtsmannes, hat jedoch mit dem heutigen Aussehen der beiden Figuren nur noch recht wenig zu tun. Denn als Heiliger wird der Bischof ein weißes Gewand getragen haben, welches allenfalls von einem roten Umhang überdeckt wurde. 

Nach dem Vorbild des Nikolauses verlieh der Maler Moritz von Schwind dem – erstmals 1770 erwähnten – Weihnachtsmann eine Gestalt. Die Figur erschien unter dem Namen Herr Winter im Rahmen einer Bilderreihe für den Münchner Bilderbogen im Jahr 1847 und wurde schnell zum Weihnachtssymbol. Die Farbe seiner Kutte unterschied sich jedoch in jedem Land voneinander, war in einigen Ländern weiß oder grau, in anderen blau.

Im Strahlenden Rot von Kult zu Kommerz

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielten die beiden Figuren ihre rote Farbe. Schuld daran war der Weihnachtsmann. Niederländische Emigranten brachten ihren Sinterklaas in die Vereinigten Staaten, wo er umgehend zum bürgerlichen Weihnachtsmann wurde und fortan auf den Namen Saint Claus hörte – später wurde daraus Santa Claus. Ein namhaftes us-amerikanisches Unternehmen erkannte sofort den Werbewert des Weihnachtsmannes und verlieh ihm kurzerhand die Firmenfarbe rot. Als Werbefigur von Coca Cola kehrte der rotgekleidete Weihnachtsmann 1932 nach Europa zurück und ersetzte fortan die unterschiedlich gekleideten Figuren der Europäer.

Ist der Weihnachtsmann zu einem Kommerznikolaus geworden? Nein, meint Kulturwissenschaftler Dominik Schmitt. Der Weihnachtsmann erfülle nicht nur einen kommerziellen Zweck, sondern sei darüber hinaus ein Symbol für das Familienfest Weihnachten. Während Schmitt beteuert, der Weihnachtsmann hätte den Nikolaus nicht verdrängt, sondern sei lediglich aus ihm hervorgegangen, startete die katholische Kirche in der Vergangenheit eine Kampagne, um den Wert des Heiligen Nikolaus in der Gesellschaft zu stärken.

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der Familien werden vom Weihnachtsmann besucht

Und dennoch verkörpert der Weihnachtsmann inzwischen alles, was mit Weihnachten zusammenhängt. Er taucht in den meisten Weihnachtsfilmen auf, dient als Werbefigur, ziert die Weihnachtskarten und wird als Emoji um die Welt geschickt. Eine Umfrage von QVC aus dem Jahr 2017 zeigt jedoch, dass nur 8% der Familien in Deutschland auch tatsächlich vom Weihnachtsmann besucht werden. Doch auch in der Frage, wer denn nun eigentlich die Geschenke bringt, ist Deutschland sich noch nicht einig. Fakt ist: Geschenke gibt es und sie gewinnen von Jahr zu Jahr an Bedeutung. 11% der Befragten geben laut QVC an, jedes Jahr mehr verschenken zu wollen als im Vorjahr. Die Vorweihnachtszeit ist die umsatzstärkste Zeit im Einzelhandel. Weihnachten ist also ohne Frage inzwischen kommerzialisiert und wer auch immer die Geschenke bringt, ist es auch.

Quellen: t-online.de, planet-wissen.de, ndr.de

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