Bildschirmzeiten – Wie viel ist gut für dich?

Bildschirmzeiten -
Wie viel ist gut für dich?

Moderne Bildschirme werden häufig mit LEDs hinterleuchtet. Diese senden jedoch oftmals Licht mit einem hohen Anteil im blauen Spektralbereich aus. Im Internet liest man häufig von Horrorgeschichten, wie das Smartphone die Netzhaut schädigen könnte. Smartphones kommen daher oftmals mit einem Blaulichtfilter daher, die es inzwischen auch für Brillen gibt. Doch wie schädlich ist das Starren auf den Bildschirm wirklich? Und wie lange sollten wir – und unsere Kinder – auf einen Bildschirm starren?

Vorweg: Von einem Bildschirm gehen insbesondere für Kinder noch ganz andere Gefahren aus als das Ablösen der Netzhaut aufgrund des Blaulichts. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geht nämlich nicht davon aus, „dass es durch solche Geräte zu einer Netzhautschädigung kommt.“

»In vielen Studien, die vor LEDs warnen, wurden sehr hohe Lichtintensitäten angewandt, weit entfernt von den Lichtintensitäten der [Bildschirme].«

Dr. Ljiljana Udovicic

Bundesamstand für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

StartupStockPhotos / pixabay.com

Blaulicht ist schlecht für den Schlaf

Das Blaulicht, das von Smartphone-Displays, Fernsehgeräten und anderen Bildschirmen und LEDs ausgestrahlt wird, ähnelt unserem Tageslicht. Damit hemmt es die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und wirkt sich auf unseren Biorhythmus aus.

Im normalen Tagesablauf ist der Blaulichtanteil relativ hoch und sinkt abends und in der Nacht stark. Durch die Arbeit am Bildschirm wird dieser Rhythmus manipuliert. Der Körper nimmt weiterhin Blaulicht wahr und schüttet kein Melatonin aus. Melatonin ist jedoch in mehrfacher Hinsicht wichtig für unseren Körper: Es macht uns müde und repariert unsere Zellen und unsere DNA. Ein Mangel an Melatonin könnte deshalb sogar die Bildung von Krebszellen begünstigen, sagt Udovicic.

Daher ist es sinnvoll, den Blaulichtanteil künstlicher Lichtquellen am Gerät zu senken. Einige Monitore und Smartphone besitzen bereits einen integrierten Blaulichtfilter. Der Bildschirm strahlt dann wärmere Farben aus, wodurch der Blaulichtanteil um bis zu 70% reduziert werden kann. Doch in diesem Beitrag soll es gar nicht in erster Linie um die gesundheitlichen Auswirkungen des Bildschirms gehen, sondern um die Bildschirmzeit.

Bildschirmzeit von Kindern und Jugendlichen nimmt zu

Die Pandemie hat auf unterschiedliche Art und Weise dazu beigetragen, dass wir alle mehr Zeit von den Bildschirmen verbringen. Durch das Distanzlernen, die Einschränkungen in Freizeitaktivitäten und Kontaktreduzierungen hat die Bildschirmzeit im vergangenen Jahr extrem zugenommen. Gaben 2019 noch 74% der Kinder und Jugendlichen an, regelmäßig zu streamen, waren es 2020 bereits 87%. Insbesondere Netflix aber auch YouTube gehören zu den beliebtesten Streaming-Plattformen.

Unterhaltung (z.B. Netflix) 33%
Spiele (z.B. Fortnite) 28%
Kommunikation (z.B. WhatsApp) 27%

Mediennutzung in der Freizeit (Kinder und Jugendlich zwischen 12 und 19 Jahren)

Quelle: JIM-Studie 2020 (Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest)

Insbesondere beim Spielen hat die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer zugenommen. Von 81 Minuten im Jahr 2019 ist die Zahl auf 121 Minuten gestiegen. Jungen spielen dabei mit 159 Minuten pro Tag fast doppelt so lange wie Mädchen.

Betrug die tägliche Nutzungsdauer 2018 noch 214 Minuten, hat diese im Jahr 2019 etwas abgenommen. Kinder und Jugendliche verbrachten im Schnitt 205 Minuten vor den Bildschirmen – am Tag. Die aktuelle JIM-Studie zeigt jedoch, dass auch die Gesamtnutzungsdauer durch die Corona-Pandemie wieder zugenommen hat. Inzwischen verbringen Kinder und Jugendliche 258 Minuten pro Tag vor dem Bildschirm.

Welche Gefahren birgt die Zeit vor dem Bildschirm?

Die Gefahr geht nicht direkt vom Bildschirm aus, sondern vielmehr von dem, was dahinter zu finden ist. So gaben 8% der Kinder und Jugendlichen an, schon einmal in eine Abo-Falle getappt zu sein. Versehentliche Käufe und Abo-Fallen lauern in der Werbung auf sozialen Netzwerken, Internetseiten oder in Apps und können schnell und nahezu unbemerkt immense Kosten verursachen. Wer hier auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte eine sogenannte Drittanbietersperre bei seinem Mobilfunkanbieter einrichten lassen.

Auch Cybermobbing ist ein Problem, das erst durch die Kommunikation über digitale Medien ermöglicht wird. Es raubt Betroffenen den sicheren Rückzugsort und verfolgt sie 24/7. Einen ausführlichen Artikel zum Cybermobbing habe ich hier geschrieben.

Der größte Bereich wird von nicht-jugendfreien Inhalten abgedeckt. Gewaltverherrlichende Videos, intime oder anstößige Bilder, Drogenkonsum oder Suizid – über Plattformen im Internet können Kinder und Jugendliche mit all diesen Themen in Kontakt geraten. Hier sind offene Augen und Ohren gefragt, um Kinder bei Kontakt mit solchen Medien zu unterstützen oder diese Kontakte frühzeitig zu unterbinden.

Bildschirmzeit: Wie lange sollten Kinder auf den Bildschirm starren?

Ein verantwortungsvoller Umgang auch mit digitalen Medien ist wichtig und sollte daher von den Eltern und in der Schule vermittelt werden. Dazu gehört nicht nur, zu erkennen, wann ich auf ungeeignete Inhalte stoße, sondern auch zu wissen, wann es Zeit für eine Bildschirmpause ist. Besser als strikte Verbote sind hier klare Regeln und gemeinsame Absprachen. Bezüglich der Nutzungsdauer findet man im Internet unterschiedliche Empfehlungen – etwa die Faustregel: 10 Minuten Bildschirmzeit am Tag pro Lebensjahr. Dem gegenüber steht die Regel „1 Stunde pro Woche je Lebensjahr“. Rechnen wir diese beiden Regeln einmal durch:

Alter Zeit pro Tag oder Zeit pro Woche
1
10 Minuten
1 Stunde (ca. 8,5 Minuten pro Tag)
6
60 Minuten
6 Stunden (ca. 51,5 Minutene pro Tag)
12
120 Minuten
12 Stunden (ca. 103 Minuten pro Tag)
15
150 Minuten
15 Stunden (ca. 128,5 Minuten pro Tag)
17
170 Minuten
17 Stunden (ca. 146 Minuten pro Tag)

Folgt man dieser Rechnung käme man erst im Alter von etwa 26 Jahren auf die Bildschirmzeit, die Kinder und Jugendliche derzeit täglich haben. Diese Regel setzt jedoch nach oben keine Grenzen. Auch wenn eine solch exzessive Nutzung im Alter unwahrscheinlich wird, könnte eine 60-jährige Person ganze 10 Stunden am Tag vor dem Bildschirm sitzen.

Eine weitere Möglichkeit ist die gestaffelte Bildschirmzeit. Hier werden Altersstufen zusammengefasst und mit pauschalen Bildschirmzeiten nach dem folgenden Beispiel versehen.

Alter Zeit pro Tag
bis 5 Jahre
eine halbe Stunde
6 bis 9 Jahre
eine Stunde
10 bis 12 Jahre
1 1/2 Stunden
13 bis 16 Jahre
2 Stunden

Damit gibt es klare Regelungen. Selbstverständlich kann man aber Ausnahmen formulieren, etwa wenn es darum geht, einen Film zu schauen, der etwas länger dauert.

Problematisch wird es im Jugendalter, wenn zunehmend auch eigene Geräte vorhanden sind oder die Schule immer häufiger auf digitale Geräte angewiesen ist – z.B. bei Rechercheaufgaben.

Sinnvoll ist deshalb beispielsweise bei Jugendlichen, ein wöchentliches Zeitkontingent zu vereinbaren, das man sich eigenständig einteilen möchte: Filme sind dann kein Problem mehr. Wesentlicher als die Bildschirmzeit finde ich aber die Bildschirmpausen.

Experten empfehlen hierfür die 20-20-20-Regel: Alle 20 Minuten vor dem Bildschirm sollte man für 20 Minuten etwa 20 Meter in die Ferne gucken. Dadurch entspannt man die Augen und beugt einer Überanstrengung vor. Denn wer nur auf den Bildschirm starrt, blinzelt weniger. Dadurch trocknen die Augen aus und werden müde. Bewusstes Gähnen, Blinzeln und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie Bewegung an der frischen Luft können dem Auge hingegen gut tun. Wichtig: Wer öfter Beschwerden hat, sollte zum Augenarzt gehen.

Quellen: schau-hin.info, augsburger-allgemeine.de, projuventute.ch, klicksafe.de, internet-abc.dekindergesundheit-info.de

Titelbild: StartupStockPhotos/ pixabay.com

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