Homosexualität in der Öffentlichkeit

Homosexualität in der Öffentlichkeit

Es war eine Gewissensentscheidung im Bundestag, die letztendlich in Deutschland zur „Homo-Ehe“ führte. Doch noch immer wird Homosexualität geächtet, in anderen Ländern der Welt noch stärker als bei uns. In Saudi-Arabien, im Sudan, Jemen, im Iran, im Irak, in Teilen Somalias, Nordnigeria und in Teilen von Syrien steht die Todesstrafe auf Homosexualität. In vielen Ländern Afrikas und Südwestasiens drohen langjährige Haftstrafen. Auch in Russland gilt seit einigen Jahren ein Propaganda-Gesetz, das Homosexualität in der Öffentlichkeit mit Haftstrafen bestraft.

geralt / pixabay.com

Obwohl gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland inzwischen auch heiraten dürfen, sind sie noch immer nicht vollständig gleichgestellt, werden teilweise immer noch gesellschaftlich geächtet und nicht vollständig toleriert. Rassismus in Deutschland: Entweder er ist gegen Ausländer gerichtet oder gegen Homosexuelle. Doch wir verzeichnen auch positive Meilensteine in Bezug auf Homosexualität in Deutschland und Europa, zum Beispiel den Christopher Street Day.

Was ist der Christopher Street Day?

Der Christopher Street Day (kurz: CSD) ist eine Demonstration für die Rechte von LGTBI – also Lesben, Schwulen, Trans-, Bi- und Intersexuellen – und gegen Diskriminierung und Beleidigung selbiger. Seinen Ursprung hat der CSD im New York der 1960er Jahre, wo Polizisten immer wieder Razzien in Schwulen- und Lesbenbars durchführten, die meisten gewaltsam abliefen.

1969 stießen die Polizisten erstmals auf gewaltsamen Widerstand. Ziel der Demonstration war eine Schwulenbar in der Christopher Street, die dem Christopher Street Day seinen Namen gab. Im selben Jahr wurden in Deutschland noch 50.000 Männer wegen Homosexualität verurteilt. Der Paragraph 175, ein Überbleibsel aus dem Nationalsozialismus, wurde dann gelockert. 1979 fand der erste CSD in Deutschland statt. An ihm nahmen gerade einmal 400 Teilnehmer in Berlin teil. 1994 wurde der §175 vollständig abgeschafft. Im selben Jahr nahmen rund 15.000 Menschen an der Parade in Berlin teil.

Homosexualität in den Medien

Beginnen wir hier einmal mit einem uralten Medium: Dem Buch. Genauer gesagt: Dem Buch der Bücher. Denn in der 

Bibel steht im 3. Buch Moses: „Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.“ Eine Auslegung, die früher durchaus Anwendung fand.

Inzwischen wird das Thema recht unterschiedlich beleuchtet. Es gibt viele, zum Teil auch echt gute, Filme, die das Thema Homosexualität behandeln:

  • Sommersturm, 2004
  • Brokeback Mountain, 2005
  • Freier Fall, 2013
  • Prayers for Bobby, 2009
  • Die Mitte der Welt, 2016
  • Love Simon, 2018

Die Filme zeigen jedoch auch: Homosexualität geht mit Problemen einher. Man muss sich verstecken, eckt in der Gesellschaft noch immer an. Man stößt auf Abscheu und Unverständnis. Nachrichten zeigen Homosexuelle häufig als schrille Paradiesvögel, bunt, mit Glitzer, nackter Haut und Schminke. So sind einige – doch längst nicht alle. Homosexuelle vögeln sich durch die Weltgeschichte, haben Geschlechtskrankheiten und übertragen diese, weil sie ungeschützten Sex haben. So sind einige – doch längst nicht alle.

Worum geht es beim CSD?

Rechte von Homosexuellen 16%
Demonstration gegen Diskriminierung 36%
Saufen, Sex und Feiern 35%
Bunte Fahnen und Menschen 12%

Leider ist das das Bild, das häufig von Nachrichtensendungen, Sozialen Netzwerken und Zeitungen vermitteln wird. Die Aktivisten und all die wichtigen und wertvollen Nachrichten hinter dem CSD gehen oftmals im Trubel unter. Das ist der Grund, warum selbst unter Homosexuellen der Ursprung und die eigentliche Botschaft des CSDs nicht mehr immer bekannt ist. Laute Musik, bunte Paraden und Feiern, Saufen, Ficken wird häufig mit dem eigentlichen Sinn solcher Demonstrationen verwechselt.

Transsexualität gilt noch heute als Krankheit!

Bis zum Jahr 1990 stand Homosexualität auf der Liste der psychischen Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Am 17. Mai 1990 entfernte die WHO Homosexualität von dieser Liste und prägte so den 17. Mai als internationalen Tag gegen Homophobie. Anders ist es jedoch bei Transsexualität und Transvestitismus. Die ICD-10 (Internationale Klassifizierung von Krankheiten) führt Transsexualität und Transvestitismus bei den Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen auf.

»Störung der Geschlechtsidentität

F64.0 Transsexualismus
Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.

F64.1 Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechterrollen
Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung, um die zeitweilige Erfahrung der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht zu erleben. Der Wunsch nach dauerhafter Geschlechtsumwandlung oder chirurgischer Korrektur besteht nicht; der Kleiderwechsel ist nicht von sexueller Erregung begleitet.«

Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10)

Psychische Störungen

Für trans- und intergeschlechtliche Menschen bedeutet das in Deutschland, dass es keine rechtliche Anerkennung für ihre geschlechtliche Identität gibt. In Deutschland gibt es deshalb im Bezug auf Geschlechteridentität noch einiges zu tun. Insbesondere mit Blick auf eine gewisse Partei, die derzeit drittstärkste Kraft im Bundestag ist und sich nach einem Rückschritt zu Zeiten sehnt, in denen auch Homosexuelle verfolgt, weggesperrt und ermordet wurden.

Homophobie ist also keinesfalls ein vergangenes Problem. In den Köpfen sehr vieler Menschen sind Ekel und Abstoßung fest verankert. Umdenken lässt sich nun einmal leider nicht per Gesetz regeln.

Das Coming-Out ist nie zu ende!

Die Erfahrungen, die Homosexuelle, Transvestiten, Intersexuelle* beim Coming-Out erleben, sind auch in Deutschland sehr durchmischt. Nicht selten führt das Outing zur sozialen Verachtung und zur Abstoßung und Isolation. 

Abhängig ist dies auch davon, wo Betroffene leben, wie alt sie sind, welchen Stand sie in der Gesellschaft einnehmen, ob sie aus einer religiösen Familie kommen und welche anderen sozioökonomischen Hintergründe vorliegen.

»Viele Leute denken ja, man hat sein Coming-Out und dann ist alles geklärt.

Die Wahrheit ist: Man outet sich JEDEN Tag und mit JEDEM Menschen, den man kennenlernt. Mit der Zeit wird das einfacher, klar. Aber es hört nie auf.«

Norman Wolf

Autor, @deinTherapeut via Twitter

Und während man in anderen Ländern verfolgt, verhaftet oder zu Tode verurteilt wird, wenn man sich outet, führt Homophobie auch in Deutschland noch immer zu Diskriminierung und sogar Gewalt. So wurden beispielsweise im Mai Männer in Berlin homophob beleidigt und mit Steinen beworfen. Im März wurde ein schwules Pärchen mit einem Messer attackiert – hier in Deutschland.

Homosexuelle sollten »einfach mal dankbar sein«

Auch der Bruch mit der eigenen Familie ist eine häufige Folge des Coming-Outs. Meiner Meinung nach nach körperlicher Gewalt eine der schlimmsten Folgen, dient die Familie doch normalerweise der Unterstützung und als Rückzugsort. Deshalb finde ich, dass die Politik hier noch einiges zu tun hat. Es wird immer gesagt, dass jeder Mensch vor dem Gesetz gleich ist, dennoch hat nicht jeder Mensch dieselben Rechte. Und dann kommt Anfang des Monats eine CDU-Politikerin aus Sachsen daher und fordert von Homosexuellen Dankbarkeit! Demnach sollten Homo-, Bi- und Transsexuelle „einfach mal dankbar sein“.

Wenige Tage später hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Homosexuellen um Vergebung gebeten. Nicht direkt im Bezug auf die Äußerungen der CDU-Politikerin Daniela Kuge (CDU), sonder mit Rückblick auf die deutsche Geschichte und die Diskriminierung und Verfolgung von Homosexuellen: „Der deutsche Staat hat all diesen Menschen schweres Leid zugefügt“, er bitte um Entschuldigung „für all das geschehene Leid und Unrecht und für das lange Schweigen, das darauf folgte“.

Fest steht jedoch: Es gibt noch viel zu tun. Solange es homophobe Gewalt gibt, Schwule beschimpft und verprügelt werden und ihre Identität verstecken müssen, ist Homosexualität alles, aber nicht „normal“.

»Wir können uns nicht zufrieden zurücklehnen, wenn homophobe Beleidigungen heute wie selbstverständlich auf dem Schulhof zu hören sind.«

Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident

Quellen: tagesspiegel.de, civey.com, spiegel.de, zeit.de, bpb.de

Titelbild: geralt/ pixabay.com

Homo-Ehe, gleichgeschlechtliche Liebe, Love is Love, Ehe für alle
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»Nein!« zur Homo-Ehe

Deutschland beschloss im Jahr 2017 die Ehe für Alle. Die „Homo-Ehe“ entspricht jedoch nicht dem „traditionellen Familienbild“.

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