»Nein!« zur Homo-Ehe

»Nein!« zur Homo-Ehe!

Im Mai 2015 gab es in Irland zum ersten Mal weltweit eine Volksabstimmung über die „Homo-Ehe“. Nun ist Irland eines der knapp 30 Länder weltweit, in denen die vollwertige Ehe für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt wurde. Irland ist ein religiöser Staat. Protestanten und Katholiken haben sich in der Geschichte Irlands schon häufiger die Köpfe eingeschlagen. Und obwohl Irland ein erzkatholischer Staat ist, stimmten vor Kurzem 62% der Bürger für die vollwertige Gleichstellung der Ehe. Während der Erzbischof von Dublin diesen Volksentscheid als „Kulturrevolution“ betitelt, sieht der Vatikan diese Entscheidung als „Niederlage für die Menschheit“. Dabei hat Irland etwas wirklich Vorbildliches geleistet, denn es ist das erste Land weltweit, in dem via Volksentscheid über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare entschieden wurde. In Deutschland ist es Schwulen und Lesben nach wie vor nicht gestattet, zu heiraten.

Deutschland und die Homo-Ehe

Dabei spielt Deutschland in der Geschichte eine wichtige Rolle. Mit der Einführung der eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle war Deutschland 2001 der Vorreiter für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare. Die Öffnung der Homo-Ehe in Irland setzte Deutschland unter Druck, denn die Union sträubte sich mit der Idee, die Ehe ebenfalls zu öffnen, auch das Adoptivrecht für gleichgeschlechtliche Paare war stark eingegrenzt. Slowenien, Portugal, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Island, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland (ab 2017), die Niederlande, Belgien, Irland und Luxemburg bieten gleichgeschlechtlichen Paaren in Europa die Möglichkeit, zu heiraten, ohne dabei im Kontrast zu „normalen Ehen“ zu stehen. Dass auch gleichgeschlechtliche Ehen völlig normal sind, beweisen jüngste Ereignisse, denn vor Kurzem heiratete der Regierungschef Luxemburgs einen Mann.
Justizminister Maas wollte dies nicht einfach auf sich sitzen lassen und versprach deshalb eine weitere Portion Gleichstellung in naher Zukunft: Mehr als 20 Gesetzestexte wurden geändert oder angepasst.
Während sich beispielsweise die Grünen schon länger für die Gleichstellung einsetzten, tat sich Kanzlerin Merkel schwer mit diesem Schritt. Die Grünen offenbarten: Im Groben und Ganzen seien es nur noch die Namen, die die „Homo-Ehe“ von der „Heten-Ehe“ trennten. Denn in den meisten der 54 Gesetze mussten lediglich „oder Lebenspartner“ hinter das „Ehegatte“ gehängt werden, um die gleichgeschlechtliche Ehe gleichzusetzen – reiner bürokratischer Kleinkram.

Kanzlerin Merkel und die Homo-Ehe

Die letzte, große Hürde zur Gleichstellung der Ehen war die wohl sehr veraltete Meinung unserer Regierung. Denn das Adoptionsrecht hatten nur Verheiratete oder Alleinstehende, gleichgeschlechtliche Partner durften dies nicht. Der Grund: Dies widerspräche dem traditionellen Familienbild der Union. Wo Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Strecke geblieben war, waren die Deutschen sichtlich viel weiter. Eine Umfrage zeigt: 86,5% der Menschen denken, dass man die Ehe komplett öffnen sollte, auch der Genehmigung des Adoptionsrechts stimmen 58,3% voll zu, 27,8% stimmten – zunächst etwas unsicher – ebenfalls zu.
Frau Merkel argumentierte jedoch in der Wahlarena 2013: „Es geht um die Frage des Kindeswohls in solchen Beziehungen.“  Wenig später gesteht sie zwar, dass diese Ansicht „etwas veraltet“ sein mag, sie tue sich aber weiterhin schwer mit der Vorstellung und werde keinen derartigen Gesetzesentwurf einbringen. Doch wäre das Kindeswohl auch nur ansatzweise gefährdet, wenn das Kind bei zwei Männern oder zwei Frauen aufwachsen würde? Schließlich räumte die Regierung vor gut einem Jahr das Sukzessiv-Adoptions-Recht für gleichgeschlechtliche Paare ein, das besagt, dass Partner das Adoptivkind ihres Partners ebenfalls adoptieren dürfen. Das Kind würde dann gleichermaßen bei einem gleichgeschlechtlichem Paar aufwachsen, oder etwa nicht? Kein Wunder also, dass es ausgerechnet Grüne und Linke sind, die gegen die Sukzessiv-Adoption stimmten. Ihnen ging das Gesetz nicht weit genug.
»Es war eine lange, intensive, für viele auch emotional sehr berührende Diskussion – das gilt auch für mich ganz persönlich. Deshalb hoffe ich, dass mit der Abstimmung heute nicht nur der gegenseitige Respekt zwischen den unterschiedlichen Positionen da ist, sondern dass damit auch ein Stück gesellschaftlicher Friede und Zusammenhalt geschaffen werden konnte.«, sagte Kanzlerin Merkel zur Ehe für Alle.
editiert nach geralt / pixabay.com

Braucht ein Kind nicht letztendlich eine Familie, die es schützt, es liebt und ihm zur Seite steht? Welche Gründe gibt es, daran zu zweifeln, dass zwei gleichgeschlechtliche Elternteile einem Kind dies genauso gut geben können, wie Männlein und Weiblein?

»(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.«

Grundgesetz

Artikel 3

Wo bliebe die Gleichberechtigung, wenn gleichgeschlechtliche Partner nicht dieselben Rechte und Möglichkeiten haben wie heterosexuelle Paare? Warum sollten zwei Männer oder zwei Frauen nicht heiraten dürfen und warum stellte sich die Union dem Kinderwunsch homosexueller Paare in den Weg? Setzt die Union das Grundgesetz außer Kraft, weil die Kanzlerin Bauchschmerzen kriegt, wenn homosexuelle Paare Kinder adoptieren?
Die Meinungen waren und sind kontrovers, denn es gibt durchaus Menschen, die auf der Seite der Union stehen und dieses „traditionelle“ – viel mehr konservative – Familienbild vertreten. Auf der anderen Seite wird sich darüber aufgeregt, dass über die gleichgeschlechtliche Ehe überhaupt diskutiert wird. 

Unter dem Hashtag #Ehefueralle werden beispielsweise auf Twitter die verschiedenen Meinungen zum Thema kundgetan. Während viele sich für die Öffnung der Ehe aussprechen, verlangen andere, die Ehe komplett abzuschaffen. 

Obwohl CDU/CSU und SPD die Gleichstellung der Homo-Ehe beschlossen hatten, klammern sich Teile der Union noch immer an das traditionelle Bild der Familie. Bislang galt die Ehe als dauerhafte Verbindung zweier Menschen unterschiedlichen Geschlechts. Schließlich stellt Artikel 6 des Grundgesetzes Ehe und Familie unter besonderen Schutz. Vollkommen richtig entschied dagegen das Bundesverfassungsgericht, das beschloss, dass dieser Schutz nicht andere Formen des Lebensgemeinschaften ausgrenzen dürfe.

Die Kirche und die Homo-Ehe

Dass dem Vatikan derartige Beziehungen nicht ins Zeug passen, ist natürlich kein Wunder, denn in der Bibel steht ja:

»Und wenn ein Mann bei einem Manne liegt, wie man bei einer Frau liegt, so haben beide einen Greuel verübt; sie sollen gewißlich getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen.«

3. Buch Mose

Kapitel 20, Vers 13

Dabei verlangt sicher kein gleichgeschlechtliches Paar, kirchlich zu heiraten, denn in der Debatte um die Ehe für alle ging es um die gesetzliche Gleichstellung der „Homo-Ehe“ mit der Ehe zwischen heterosexuellen Paaren. Denn während die Rollenverteilung in der Ehe längst als veraltet angesehen wird und Gleichberechtigung in der Ehe keine Frage mehr war, wurden gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften nicht akzeptiert. 
Der evangelische Landesbischof von Baden-Württemberg Frank Otfried July fand, dass das traditionelle Familienbild aus Mann, Frau und Kind nach wie vor das prägende sei, räumte aber ein, dass er Menschen, die einander lieben und in einer verlässlichen Beziehung leben, niemals den persönlichen Zuspruch verweigern würde. Thüringen und Rheinland-Pfalz sprachen sich für eine komplette Gleichstellung aus und beteiligten sich sogar an der Bundestagsinitiative. 

»Warum sollen homosexuelle Paare schlechtere Eltern sein als die mit dem Segen der Kirche und der Förderung des Staates - ein Anachronismus. Es wäre übrigens nicht das erste Mal, dass die Union vom Verfassungsgericht zu einem zeitgerechten, modernen Kurs gezwungen würde. Peinlich für eine Volkspartei.«

Sabine Raus

WDR-Moderatorin

Und während die Union nur auf ihre kirchentreue Kernwählerschaft schaut, ist die Gesellschaft längst weiter, als Kanzlerin und Co glauben.  „Mit dem Ewig-Gestrigen sind Morgen keine Wahlen mehr zu gewinnen“, betonte Rau in Ihrem Kommentar. Die Deutschen sind viel moderner, toleranter und entspannter geworden, als die Union denkt.

Spiegel online schreibt dazu, dass die Kanzlerin sich sowohl der traditionellen Haltung ihrer Partei als auch der gesellschaftlichen Stimmung im Land durchaus bewusst sei. Demnach befürworte eine große Mehrheit der Deutschen die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe. Hielte sie weiterhin an ihrer Meinung fest, gäbe sie SPD und Opposition Ein Freitor für den nächsten Wahlkampf. Nachgeben hätte jedoch zusätzliche Spannungen innerhalb der eigenen Partei zur Folge – ein Zwiespalt für die Kanzlerin.

Ich und die Homo-Ehe

Auf die Frage, ob auch ich die „Homo-Ehe“ endlich möchte, muss ich ganz klar mit „Nein!“ antworten. Die Tatsache, die Ehe als Bund der Liebe zwischen zwei Menschen in eine „normale“ und eine „Homo-Ehe“ zu teilen, ist genauso falsch wie die Annahme, gleichgeschlechtliche Elternpaare wären weniger gut für die Erziehung von Kindern geeignet. Gleichberechtigung sieht anders aus. Und dabei steht die Gleichberechtigung aller Menschen im Grundgesetz, über das sich Frau Merkel und die Union offenbar hinwegsetzen möchten. Liebe Frau Merkel, homosexuelle Menschen sind auch Menschen und Gleichberechtigung fängt dort an, wo alle Menschen die Möglichkeit haben, zu heiraten und es nicht zwei verschiedene Begriffe für ein und dieselbe Sache gibt.

Quellen: tagesschau.de, welt.de, spiegel.de, zeit.de, ntv.de, ARD, bundestag.de

Gesellschaft

Wenn die Bundesregierung das Coming-Out übernimmt

Wenn die Bundesregierung das Coming-Out übernimmt Anwälte des Auswärtigen Amtes haben offenbar mehrere homo- und bisexuelle Asylbewerber in ihren Herkunftsländern geoutet. Wie die WELT am Freitag berichtete seien insbesondere Asylbewerber aus Pakistan, Nigeria, Kamerun und Tansania betroffen. In diesen Ländern ist Homosexualität strafbar und wird mit mehrjährigen Haftstrafen oder der Todesstrafe geahndet. Das Bundesverfassungsgericht hatte bereits 2005 geurteilt, dass die

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