Was feiert man eigentlich beim CSD?

Was feiert man eigentlich beim CSD?

CSD – Das ist nicht nur die Abkürzung für den Alten Serbischen Dinar, der weniger als einen Cent wert ist, sondern steht auch für den Christopher Street Day. 2019 fanden mehr als 200 Veranstaltungen statt.

Homosexuelle wurden nicht nur im Nationalsozialismus geächtet und verfolgt. Im New York der 1960er Jahre führten Polizisten regelmäßig Razzien in Schwulenbars durch, die meistens sehr gewaltsam abliefen. Wer sich in einer Bar mit angeblich schwulem Hintergrund befand, wurde angeklagt oder öffentlich bloß gestellt. Dabei wurde insbesondere gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle vorgegangen.

1969 trafen die Polizisten erstmals auf gewaltsamen Widerstand. Ziel der Demonstration war eine Schwulenbar in der Christopher Street. Die Gäste lehnten sich gegen die Beleidigungen und die Diskriminierung auf. 

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Aus Solidarität zu den Schwulen und Lesben entstand so der erste mehrtägige Christopher Street Day. Erstmals wurde in der Öffentlichkeit für die Toleranz gegenüber Homosexuellen gekämpft. Seitdem findet ein Straßenzug jährlich am letzten Juni-Wochenende in New York statt und bildet so das Vorbild für den Christopher Street Day.

Der Christopher Street Day in Deutschland

In Deutschland waren Handlungen zwischen Männern lange Zeit unter Strafe gestellt. Der Paragraph 175 wurde 1969 gelockert, da noch immer der verschärfte Paragraph der Nationalsozialisten galt. Im Jahr 1969 wurden noch 50.000 auf Grundlage des Paragraphen verurteilt.

Obwohl der weltweit erste Christopher Street Day international große Wellen schlug, fanden die ersten CSD-Umzüge in Deutschland 1979 – 10 Jahre nach dem Aufstand in New York – statt. Aus Angst vor sozialer Ächtung gingen die gerade einmal 400 Teilnehmer des ersten CSD in Berlin teilweise vermummt auf die Straße. „Gay Pride“ wurde als Motto für den Christopher Street Day in Deutschland übernommen. Mit den Sprüchen „Schwule raus aus Euren Löchern, alleine werdet ihr verknöchern“ und „Lesben erhebt Euch und die Welt erlebt Euch“ wurden Menschen zur Teilnahme aufgerufen.

Nach der Wiedervereinigung schnellten die Besucherzahlen in die Höhe. Mit der Abschaffung des Paragraphen 175 gab es 1994 besonderen Grund zu feiern. Mehr als 15.000 Besucher kamen zum CSD in Berlin.

Zur Jahrtausendwende wurden die sogenannten Europrides oder Worldprides ins Leben gerufen. Sie finden jährlich in ausgewählten Großstädten statt und ziehen ein Millionenpublikum an. So werden sie zum Aushängeschild der Homosexualität.

Mittlerweile ist die kleine Versammlung von damals zu einer bunten, schillernden Demonstration geworden, die ein Zeichen für die Rechte von Homosexuellen setzen möchte. Doch in den bunten Partys mit Verkleidungen, viel Farbe und nackten Oberkörpern gerät die ursprüngliche politische Botschaft mehr und mehr in den Hintergrund. Berlin, Köln und Hamburg veranstalten heutzutage mit mehr als einer Million Besuchern die größten Veranstaltungen in Deutschland.

Medien zeigen Paradiesvögel statt Aktivisten

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Oft kritisieren Menschen die übertriebene Freizügigkeit bei den Christopher Street Day Umzügen, beäugen Männer in Lack und Leder oder in Frauenkleidern kritisch und betrachten auch gleichgeschlechtliche Knutschereien höchstens verachtend. Klaus Jetz, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland findet dies normal. „Beim Karneval in Rio sind die Menschen auch nur leicht bekleidet und niemand regt sich auf.“ Außerdem finde der CSD im Sommer statt. Zudem kritisiert er die Berichterstattung der Medien, die lieber schrille oder halbnackte Paradiesvögel als den politischen Aktivisten mit seiner Parole zeigten.

Verstehen muss man dies wie ein Plädoyer, die politische Botschaft, um die es noch immer beim Christopher Street Day gehen soll, nicht zu vergessen. Im Jahr 2009 wurde auf den meisten Veranstaltungen beispielsweise eine entsprechende Erweiterung in Kapitel 3 des Grundgesetzes gefordert. Das Diskriminierungsverbot schütze zwar Geschlecht, Abstammung, Rasse, Religion und Sprache, lasse jedoch Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung außer Acht. Auch die Lebenspartnerschaft war lange ein Thema. Die Ehe für Alle wurde im Oktober 2017 schließlich vom Bundestag verabschiedet.

Die öffentliche Wahrnehmung scheint allerdings stark vom ursprünglichen Sinn des Christopher Street Days abzuweichen, was beinahe schon schockierend ist. Ob mittlerweile viele Homosexuelle den CSD als Saufgelage und Speeddating für die schnelle Nummer sehen, wird wohl deren Geheimnis bleiben.

Dass der ursprünglich politische Hintergrund jedoch noch nicht ganz vergessen ist, zeigt sich an den Ständen einiger Parteien, die auf verschiedenen Veranstaltungen zu finden sind. Übrigens: Auch heterosexuelle Menschen sind auf dem Christopher Street Day gern gesehen. Denn dort geht es vor Allem um eines: Solidarität. Und die kann man auch zeigen, wenn man nicht homosexuell ist.

Worum geht es eigentlich beim CSD?

Rechte von LGBTQ*16%
Demo gegen Diskriminierung36%
Saufen, Sex und Feiern35%
Bunte Fahnen und Menschen13%

Twitter-Umfrage vom 21. August 2017, n=113

Quellen: planet-wissen.de, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

Titelbild: TuendeBede/pixabay.com

Homo-Ehe, gleichgeschlechtliche Liebe, Love is Love, Ehe für alle
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