Warum werden die Impfzentren geschlossen?

Warum werden Impfzentren geschlossen?

Seit mehr als 18 Monaten hat uns die Corona-Pandemie fest im Griff. Die vierte Welle sorgt in Deutschland erneut für eine erhöhte Infektionsrate. Doch die Inzidenz ist nicht mehr ausschlaggebend für die Maßnahmen und Regeln, die uns aus der 4. Welle ziehen sollen. Die Anzahl der Geimpften und Genesenen sei hoch genug, sodass man weitgehende Lockerungen beschließen könne, ohne einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen befürchten zu müssen.

In Deutschland sind derzeit 67,3% mindestens ein Mal geimpft, den vollen Impfschutz haben 63,2%. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 33 – noch hinter Uruguay, Dänemark, Singapur, den Vereinten Arabischen Emiraten und Malta. Blickt man auf die Zahl der verabreichten Impfdosen, liegt Deutschland auf dem siebten Platz. Der Vergleich macht deutlich: Für ein Land mit relativ vielen Einwohnern hat Deutschland inzwischen eine solide Impfquote.

Doch es droht eine neue Gefahr: Das Virus breitet sich insbesondere bei denen aus, die nicht durch einen Impfstoff geschützt sind. Die 4. Welle droht zu einer Pandemie der Ungeimpften zu werden. Die Impfbereitschaft stagniert und von der Höchstleistung von mehr als einer Million Impfungen pro Tag sind wir inzwischen weit entfernt. Zuletzt waren es rund 63.000 Dosen, die in Deutschland innerhalb eines Tages verimpft wurden. Ein weiterer Rückschlag droht: Ende September sollen zahlreiche Impfzentren schließen.

Wilfried Pohnke / pixabay.com

Schützen Impfungen vor einer Infektion?

In Deutschland sind aktuell vier Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 zugelassen und von der Ständigen Impfkommission empfohlen. Alle vier Impfstoffe haben eine gute Wirksamkeit und Reduzieren das Risiko einer Covid-Erkrankung. In Europa werden die Impfstoffe ausgiebig getestet, weshalb Zulassungen oft erst nach einer Zulassung in anderen Ländern wie den USA erfolgen. Daten aus Zulassungs- und Beobachtungsstudien insbesondere aus Großbritannien und Israel zeigten, dass alle vier Impfstoffe hochwirksam gegen schwere Verläufe sind. Selbst wenn man also trotz Impfung erkranken würde, wäre das Risiko sehr gering, einen schweren Verlauf zu erleiden.

Biontech/Pfizer Moderna Astra Zeneca Johnson&Johnson
Impfstoffname
Comirnaty
Spikevax
Vaxzevria
Covid-19 Vaccine Janssen
Impfstofftyp
mRNA
mRNA
Vektor
Vektor
empfohlenes Alter
(zugelassen ab...)
ab 12
ab 12
ab 60
(ab 18)
ab 60
(ab 18)
Nötige Impfungen
zwei
zwei
zwei
eins
empfohlener Impfabstand
(zugelassener Impfabstand)
6 Wochen
(3-6 Wochen)
6 Wochen
(4-6 Wochen)
12 Wochen
(4-12 Wochen)
Einzeldosis
Wirksamkeit
etwa 95%
etwa 95%
etwa 80%
etwa 65%
Verhinderung schwerer Verläufe
etwa 85%
etwa 85%
etwa 95%
etwa 100%

Quellen: Europäische Zulassungsbehörde, Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit

Derzeit laufen zudem Studien, inwiefern eine vollständige Impfung die Übertragung und Ansteckung anderer Personen reduziert. Impfungen schützen somit in erster Linie die Geimpften, bei denen das Risiko einer Ansteckung mindestens etwa 65% geringer wird als bei Ungeimpften. 

Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung derzeit für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und von Moderna haben nach langer Prüfung entsprechende Zulassungen erhalten und können seither auch an Minderjährige verimpft werden.

ab 70 Jahre 4.33%
50 bis 69 Jahre 13.33%
40 bis 49 Jahre 13.89%
30 bis 39 Jahre 16.81%
20 bis 29 Jahre 17.14%
10 bis 19 Jahre 20.33%
0 bis 9 Jahre 14.13%

Anteil der Neuinfektionen an Altersklassen, Stand: 16.09.2021 - Quelle: RKI.de

Etwas mehr als ein Drittel der Infektionen in Deutschland fällt derzeit auf die Kinder und Jugendlichen. Da die Impfempfehlung für diese Altersklasse noch relativ frisch ist, sind derzeit nur 29,1% der 12- bis 17-Jährigen vollständig geimpft. Ihren ersten Pieks haben bereits 39% der Kinder und Jugendlichen erhalten.

Die Ständige Impfkommission hat ihre Empfehlung auch auf Schwangere und stillende Mütter ausgeweitet. Ab dem 2. Trimenon werde eine Impfung für Schwangere dringend empfohlen. Wer vor Feststellung der Schwangerschaft seine Erstimpfung erhalten hat, solle mit der zweiten Impfung ebenfalls bis zum zweiten Trimenon warten.

Warum schließen die Impfzentren?

Noch mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland ist ungeimpft. Und während die Pandemie sich noch in vollem Gange befindet, schließen in Deutschland Ende September die Impfzentren. Einige von Ihnen wurden zu Beginn des Jahres gerade erst fertiggestellt. Am Wochenende schließen vereinzelt bereits erste Impfzentren, im Verlauf der nächsten Woche dann auch alle weiteren – Ende September ist Schluss. Bis dato wurden bis zu 60 Prozent der Spritzen in den Impfzentren verabreicht. Doch die Auslastung der Impfzentren lag bei gerade einmal einem Drittel.

Die Gründe liegen auf der Hand: Zunächst fehlte der Impfstoff, dann die Impfwilligen. Die Impfbereitschaft ist in den letzten Wochen weiter gesunken. Das stehe jedoch in keinem Verhältnis zu den Kosten: Die Software, die Terminvergabe, die Hotline – das alles erzeugte zusätzliche Kosten. Wie teuer die Impfzentren tatsächlich waren, wird erst in einigen Monaten feststehen, wenn Städte und Kommunen ihre Endabrechnungen an die jeweiligen Länder schicken. An den Kosten beteiligen Bund und Länder zu gleichen Teilen. Doch die Finanzierung des Bundes endet wie vereinbart am 30. September.

Rechnet man die geschätzten Kosten runter, kostete eine Impfung im Impfzentrum im Schnitt 130 Euro. In den Arztpraxen wurden nur 20 Euro pro Spritze abgerechnet – zuzüglich der 17 Euro für den Impfstoff. Ab Oktober muss die Impfkampagne ohne die Impfzentren auskommen. Dann werden Impfungen in Arztpraxen oder bei mobilen Impfteams vorgenommen. Auch feste Impfstandorte sollen weiterhin beibehalten werden – etwa in Frankfurt an der Messe. Auch temporär stationäre Impfteams sind geplant – etwa in Tourismusorten. Der Gedanke, die Impfkampagne niedrigschwellig weiterzuführen, bringt die Impfteams auf die Straßen. Die Hoffnung, die Impfbereitschaft künftig wieder zu erhöhen, steigt damit zumindest ein wenig.

Innzwischen gibt es auch eine Empfehlung für eine Auffrischungsimpfung, deshalb haben die Länder sichergestellt, dass Arztpraxen gut gerüstet sind. Mobile Impfteams sollen zudem in Alten- und Pflegeheime impfen. Ob es auch für Menschen, die jünger als 60 Jahre sind, eine dritte Impfung erhalten sollen, scheint bisher noch nicht abschließend geklärt zu sein.

Quellen: zdf.de, zusammengegencorona.de, rki.de, hessenschau.de, swr.de, schleswig-holstein.de, aerzteblatt.de, ndr.de, pei.de, infektionsschutz.de

Titelbild: Wilfried Pohnke/ pixabay.com

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