Faszination Social Media – Warum nutzt man eigentlich Soziale Netzwerke?

Faszination Social Media

Kaum noch sieht man Jugendliche ohne Smartphone in der Hand. An der Bushaltestelle, in der Bahn, in der Schule, sogar beim Gehen durch die Stadt schauen sie hochkonzentriert auf das moderne Gerät in ihrer Hand, das sie über das Internet mit all ihren Freunden verbindet. 

Die Faszination von sozialen Netzwerken beruht auf der Tatsache, dass Menschen annehmen, in Verbünden mehr erreichen zu können als allein. Wo früher SchülerVZ, ICQ und MSN standen, gibt es inzwischen Facebook, Instagram, WhatsApp, Snapchat, Twitter, Google+, Tumblr und so viele weitere Dienste. Doch warum genau sind Kinder und Jugendliche so fasziniert von sozialen Netzwerken?

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Welche Sozialen Netzwerke nutzen Kinder und Jugendliche?

  • Instagram

    Instagram ist eine Plattform zum Teilen von Bildern und Videos, die mit Effekten bearbeitet oder um interaktive Elemente ergänzt werden können. Es wird von 37% der Mädchen und 17% der Jungen als liebstes Onlineangebot angeführt. Auch Stars und Prominente nutzen Instagram und teilen dort Bilder und Videos mit ihren Fans. So nehmen sie häufig eine Vorbildfunktion ein. Da ohne entsprechende Einstellungen Bilder und Videos für alle sichtbar sind, sollte beim Posten eigenen Inhalte besondere Vorsicht geboten sein. Es gibt zudem eine sogenannte Story, in der Bilder für 24 Stunden sichtbar sind und anschließend aus dem Profil gelöscht werden.

  • Youtube

    YouTube ist zwar kein Soziales Netzwerk im eigentlichen Sinne, wird aber laut JIM-Studie 2017 am liebsten von den Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren verwendet. 55% der Mädchen und 69% der Jungs gaben YouTube als liebstes Internetangebot an. Mit zunehmenden Alter nimmt die Popularität des Videoportals ab. Videoplattformen wie YouTube oder Netflix lösen das Fernsehen für Jugendliche ab. Hier sind Bewegtbildinhalte nicht an Sendezeiten gebunden und die Inhalte können nach Interesse ausgewählt werden. Auch auf YouTube wird Werbung gezeigt. Zwar werden Inhalte vor dem Veröffentlichen überprüft, aber prinzipiell kann jeder Inhalte auf die Plattform laden. Dementsprechend reichen die Inhalte von Katzenvideos über Musikvideos bis hin zu Mitschnitten aus Videospielen.

  • WhatsApp

    WhatsApp ist ein Instant-Messenger-Dienst, der über die Handynummer Nutzer miteinander verbindet. Er liegt mit 50% bei den Mädchen und 30% bei den Jungen auf Platz zwei der liebsten Internetangebote, wird aber gleichzeitig von 88% der Jugendlichen als wichtigste App beschrieben. Kommunikation ist ein zentraler Aspekt der Onlinenutzung von Jugendlichen. Im Schwerpunkt Kommunikation ist WhatsApp deshalb der Spitzenreiter. 94% der Jugendlichen nutzen WhatsApp täglich oder mehrmals pro Woche. Die App ermöglicht das Versenden von Text- und Sprachnachrichten, Bildern, Videos, Tonaufnahmen, Kontakten, Standorten und Dateien. Als Tochter von Facebook gibt es in puncto Datenschutz immer wieder offene Fragen. So werden beispielsweise Nutzerdaten zwischen WhatsApp und Facebook ausgetauscht.

  • Snapchat

    Auch Snapchat wird zum Posten von Bildern und Videos verwendet. Hier können diese durch lustige Filter und Effekte ergänzt und direkt an Freunde versendet werden.  Snapchat wird von 24% der Mädchen und 8% der Jungen als liebstes Internetangebot angeführt. Stars und Promis oder die themenorientierte Nutzung, die es bei Instagram häufig gibt, entfällt und die Hemmschwelle, eigene Inhalte zu teilen sinkt. Da gesendete Bilder hier nur zeitlich begrenzt und maximal zweimal angesehen werden können, wird die Plattform von Jugendlichen häufig zum versenden intimerer Fotos verwendet. Doch Vorsicht: Andere Nutzer können diese Bilder via Screenshot speichern. Zwar wird dies angezeigt, doch dann ist das Bild bereits gespeichert. Eltern sollten mit ihren Kindern Regeln vereinbaren und auf Gefahren wie diese hinweisen. 

  • Facebook

    Facebook ist das derzeit größte Soziale Netzwerk, das es gibt. Mit 16% bei den Mädchen und 15% bei den Jungen landet Facebook nur noch auf Platz 5 der liebsten Onlineangebote, Tendenz weiter sinkend. Auf Facebook kann man sich mit Freunden, Bekannten, Familienmitgliedern aber auch Unbekannten vernetzen, kommunizieren, sich austauschen und Informationen, Bilder und Co miteinander tauschen. Doch auch im Alter lässt sich ein Trend festhalten. So sehen die Jüngeren (12-13 Jahre) Facebook kaum noch als relevant an. Facebook landete zuletzt aufgrund eines Datenskandals in den Nachrichten. Trotz neuer Datenschutzbestimmungen und gesetzlicher Regelungen ist der Schutz persönlicher Daten bei Facebook kritisch zu betrachten.

  • Twitter

    Twitter ist ein Kurznachrichtendienst, auf dem man sich mit anderen Personen vernetzen und seine Meinung in 280 Zeichen äußern kann. Gerade einmal 4% der Mädchen und 3% der Jungen geben Twitter als liebstes Onlineangebot an. Überwiegend wird Twitter von Nachrichtensendern, Politikern und Influencern verwendet.

Welchen Reiz haben Soziale Netzwerke auf Kinder und Jugendliche?

Soziale Netzwerke sind deshalb so beliebt bei Kindern und Jugendlichen, weil sie ihnen die Möglichkeit geben, sich selbst darzustellen. Mit Hilfe von Selfies oder durch Angaben von Interessen und dem sozialen Umfeld wird in den Netzwerken die Persönlichkeit repräsentiert. Auf diese Art und Weise erhalten sie – durch Likes beispielsweise – Anerkennung von anderen. Schon längst hat die Anzahl der Freunde oder Likes in Netzwerken Symbolcharakter. Jugendliche definieren sich und ihren Wert anhand solcher virtuellen Werte.

Viele Jugendliche sehen soziale Netzwerke als Räume ohne Erwachsene. Sie verwenden diese Plattformen also zur Abgrenzung von ihren Eltern – ähnlich wie die Verwendung der Jugendsprache. In den Netzwerken können und wollen Jugendliche sich ausprobieren, ohne Konsequenzen ihrer Eltern fürchten zu müssen.

Facebook, Instagram und Co sind multifunktionell. Sie weisen verschiedene Funktionen und sogar Spiele auf und bieten somit für jede Stimmungslage die richtige Funktion. Ob passives Durchklicken anderer Profile und das aktive Teilen der eigenen Meinung: Die vielen Stimmungslagen der Jugendlichen sind optimal abgedeckt.

Auch im Internet gibt es eine Art Gruppenzwang. Ist der gesamte Freundeskreis in einem Netzwerk vertreten, ist deshalb die Chance hoch, dass sich die übrigen Teenager auch dort anmelden, um Teil der Gruppe zu werden oder zu bleiben.

Nicht zuletzt bieten soziale Netzwerke Kommunikationsmöglichkeiten, um Neuigkeiten auszutauschen, auf dem Laufenden zu bleiben und Kontakte zu pflegen.

Welche Probleme bringen soziale Netzwerke mit sich?

Doch die Netzwerke bergen nicht nur Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Kinder und Jugendliche sollten sich deshalb folgender Risiken und Probleme bewusst sein. Eltern, Erzieher oder Lehrer können beratend und unterstützend zur Seite stehen. Wie das genau funktioniert, erkläre ich weiter unten.

Persönliche Daten

Facebook, WhatsApp und Co sammeln, speichern und verarbeiten persönliche Daten. Angefangen bei Handynummer und E-Mail-Adresse können auch Standorte oder andere Daten verarbeitet und gespeichert werden. Durch das Bekanntgeben persönlicher Daten macht man sich jedoch angreifbar. Kriminelle könnten in Besitz der Daten kommen, diese verkaufen oder missbrauchen.

Tipp: Kontrollieren und überlegen, welche Daten man bereit ist, anzugeben. Intimere Angaben lieber vermeiden. Privatsphäre- und Datenschutzeinstellungen überprüfen. Viele Einstellungen müssen meist manuell vorgenommen werden und sind nicht voreingestellt.

Werbung

Informationen, die man in sozialen Netzwerken preisgibt, werden häufig weiterverarbeitet und für die Optimierung von Werbeanzeigen verwendet, die auf den Nutzer zugeschnitten ist. Auf diese Art und Werbung wird relevante Werbung gezeigt, die eher zum Kauf anregen soll. Da häufig angenommen wird, dass Freunde ähnliche Interessen haben, kann auch über die Freundesliste Werbung optimiert werden.

Tipp: Privatsphäre-Einstellungen überprüfen. Drittanbieter-Apps keinen Zugriff auf das eigene Profil und die Freundesliste geben.

Cybermobbing

Das Internet ist oberflächlich betrachtet ein anonymer Raum. Fake-Profile und die 24/7-Erreichbarkeit bieten leider ideale Bedingungen für Cybermobbing. Online-Schikane ist deshalb so gefährlich, weil sie jeglichen sicheren Raum raubt. Cybermobbing kann rechtliche Konsequenzen haben und sollte in der Regel möglichst frühzeitig angegangen werden, um schwerwiegende Folgen für Betroffene zu verhindern.

Tipp: Unterstützungsstrukturen aufbauen, Mobbing-Aktivitäten eindämmen. Probleme und Sorgen der Kinder und Jugendlichen ernst nehmen und gemeinsam angehen. Gegebenenfalls Unterstützung von außerhalb anfordern.

Nicht jugendfrei

Auf YouTube, Tumblr, Snapchat und Co können Kinder und Jugendliche an Inhalte geraten, die möglicherweise nicht jugendfrei sind. Gewaltverherrlichende Inhalte können ebenso für Kinder und Jugendliche zugänglich sein wie erotische Darstellungen. In der KIM-Studie (Kinder, Internet, Medien) des Medienpädagogischen Forschungsverbund gaben immerhin 11% der Kinder an, schon einmal Inhalte im Internet gesehen zu haben, die für Kinder ungeeignet waren oder sie verängstigten.

Tipp: Kinder und Jugendliche auf die Gefahren im Internet hinweisen. Gegebenenfalls kann eine Jugendschutzsoftware helfen.

15 einfache Regeln für die verantwortungsvolle Nutzung sozialer Netzwerke

In sozialen Netzwerken interagieren Menschen über das Internet miteinander. Für einen respektvollen und verantwortungsvollen Umgang mit solchen Onlineangeboten sollten deshalb Regeln etabliert werden, die Teil der zu erwerbenden Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen sind. In der Verantwortung stehen insbesondere die Eltern, doch auch Erzieher oder Lehrkräfte können Regeln etablieren, um auch in der digitalen Welt ein faires Miteinander zu ermöglichen.

  1. Plattformen auf Angaben zum Jugend- und Datenschutz überprüfen. Die Videoplattform YouTube bietet beispielsweise eine Jugendschutzfunktion an und verhindert so, dass Jugendliche unter 18 besonders anstößige Videos ansehen. Eltern können beispielsweise eine Jugendschutzsoftware installieren oder entsprechende Einstellungen im Browser vornehmen.
  2. Den Kindern und Jugendlichen die Wege verdeutlichen,
    1. anstößige Inhalte an den Betreiber zu melden (melden).
    2. bestimmten Kontakten das Kontaktieren und Aufrufen des Profils zu untersagen (blockieren).
  3. Die Privatsphäre-Einstellungen gemeinsam mit dem Kind durchgehen und erklären.
     
     Verantwortungsvoller Umgang mit Bildern: Kinder und Jugendliche sollten sich über die Reichweite ihrer persönlichen Bilder im Klaren sein.
  4. Das Recht am eigenen Bild einfordern. Wenn unerlaubte oder unerwünschte Bilder gepostet oder geteilt werden, kann der Betreiber diese umgehend löschen.
  5. Beim Verdacht auf Cybermobbing sollte in Absprache mit dem Kind schnell gehandelt werden.
  6. Kinder und Jugendliche sollten über die weiteren Gefahren im Internet aufgeklärt werden. Das Problem von Fake-Profilen sollte unbedingt zur Ansprache gebracht werden, damit Kinder und Jugendliche sich nicht unbedacht mit Online-Freunden treffen.
  7. Auf Dritt-Anbieter-Apps verzichten, die persönliche Daten auslesen und weitergeben könnten.
  8. Kinder und Jugendliche sollten über die Konsequenzen ihres Handelns im Netz informiert werden. Like-Angaben oder das Freigeben von E-Mail-Adressbüchern, um Freunde zu finden, sollten mit Bedacht behandelt werden.
  9. Standortdaten sollten nicht ohne Weiteres freigegeben werden. Bei WhatsApp sollte unbedingt die Funktion „Live Standort“ deaktiviert werden.
  10. Auch in Sozialen Netzwerken sind Erziehungsberechtigte der Vormund ihrer Kinder. Profile, die ohne Einverständnis entstanden sind, können dem Betreiber gemeldet werden. Dieser ist dann verpflichtet, diese umgehend zu entfernen. Aber: Dieses Vorgehen sollte gut überlegt sein. Kinder sollten den Umgang mit Medien erlernen können.
  11. Kinder und Jugendliche sollten bei ihren ersten Erfahrungen im Internet begleitet werden. Eltern können helfen, indem sie Interesse an den Aktivitäten ihrer Kinder zeigen, ohne jedoch zu neugierig zu werden.
  12. Eltern können sich ein eigenes Profil in sozialen Netzwerken anlegen und sich dabei von ihrem Kind helfen lassen. So kann überprüft werden, was das Kind bereits darüber weiß und wie gut es sich mit Sicherheits- und Privatsphäre-Einstellungen auskennt.
  13. Durch die Begrenzung der Online-Zeit je nach Alter kann ein übermäßiges Nutzen von Onlineangeboten unterbunden werden.
  14. Eltern müssen ihren Kindern Zeit und Freiheiten einräumen. Es sollte respektiert werden, wenn das Kind die Freundschaftsanfrage auf Facebook nicht annehmen möchte.
Wichtig ist, dass sowohl Eltern als auch Kinder stets wissen müssen, dass sie nicht allein sind. Eltern können sich untereinander austauschen oder mit Erziehern und Lehrern sprechen. Auch Kinder können Informationen untereinander austauschen. Indem Eltern ihren Kindern das Gefühl geben, ein offenes Ohr zu haben, schaffen sie eine Vertrauensbasis für Gespräche.

Quellen: schau-hin.info, klicksafe.de, mpfs.de, Schillinger (2010): Faszination Facebook, JIM-Studie 2017, KIM-Studie 2016

Titelbild: Pixelkult/ pixabay.com

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