Warum gibt es immer nur schlechte Nachrichten?

Warum gibt es immer nur schlechte Nachrichten?

Dass die Darstellung der Medien die öffentliche Wahrnehmung prägt, ist nichts Neues. Gerüchte streuen sich, Zwischenfälle führen zu Ausländerhass. Kultivierungshypothese nennen die Kommunikationswissenschaftler diesen Einfluss der Medien. Demnach ist es im Allgemeinen so, dass negative Nachrichten größere Schlagzeilen machen als positive. Während beispielsweise über die wirtschaftlichen Probleme von Karstadt berichtet wird, bleiben die vielen Neugründungen nahezu unkommentiert. Die Meldung „Es brennt in der Scheune!“ interessiert den Bauern eben mehr als „Alles ist in Ordnung.“
 
Schalten wir die Nachrichten ein, hören wir von einem Militärputsch in der Türkei, einem Verrückten, der mit einer Axt durch einen Regionalzug eilt, einem Amoklauf in München oder einen Bombenanschlag in Ansbach. Schlechte Nachrichten verkaufen sich wesentlich besser als gute – sie sind beliebter und glaubwürdiger. Psychologisch begründbar ist dies mit einem einzigen Schlagwort: Sozialkompetenz. Schlechte Nachrichten erwecken Mitleid, lösen Empathie aus.
MichaelGaida / pixabay.com
Außerdem sprechen schlechte Nachrichten unseren Instinkt an. Wird von einem Anschlag oder einem Amoklauf gesprochen, denken wir sofort: GEFAHR. Wir denken aber auch: Zum Glück war ich nicht dort. Dennoch werden wir uns bewusst: Mir kann das auch passieren. Bin ich als nächstes dran?
Gute Nachrichten vermögen dies nicht auszulösen. „Das ist schön.“ oder „Hurra.“ – Glück und Freude, mehr kommt da nicht. Sind wir nicht direkt betroffen, sind die Gedanken anschließend zu Ende.

Schlechte Nachrichten machen uns krank!

Das zeigt eine aktuelle US-Studie. Schlechte Nachrichten können Stress auslösen. Demnach sei das Gucken von Nachrichten einer der wesentlichen Gründe für erlebten Stress. Bei einem Anschlag im April 1995 detonierte eine Autobombe vor einem Kindergarten – es starben 168 Menschen, darunter 19 Kinder. Auch Menschen, die kilometerweit entfernt waren, fürchteten sich plötzlich um ihre eigenen Kinder. Dabei vermitteln die verschiedenen Nachrichtensender die News immer sensationeller, um sich mit der Konkurrenz messen zu können. Nachrichten zu schauen, löst Stresssymptome aus. Eine andere US-Studie mit 4.500 Amerikanern zeigte, dass Menschen, die sich intensiv mit der Berichterstattung beschäftigten, sogar mehr Stresssymptome zeigten, als Menschen, die etwa beim Boston-Marathon-Anschlag dabei gewesen waren.
 
Das merken wir auch in der aktuellen Corona-Krise deutlich. Täglich blinken rund zehn Push-Benachrichtigungen zum Coronavirus auf meinem Smartphone auf. Ständig wird die Zahl der Infizierten und Todesfälle genannt – mein lokaler Radiosender hat seine Nachrichten sogar regelmäßig in „Corona-Spezial“ umbenannt und auch auf meinem Blog gab es schon zwei Beiträge zum Coronavirus. Die Folgen einer derartigen Berichterstattung sehen wir täglich – im Supermarkt, auf den Straßen und im Netz: Panik, Hamsterkäufe und Diebstähle von Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern sind nur einige Beispiele. 

Wie unsere Psyche die Welt schlechter macht als sie ist

Und genau dort, wo schlechte Nachrichten besonders gut fruchten, setzen Fake-News an. Die aktuelle Ausnahmesituation rund um das Coronavirus ist voll davon. Es geht um die Schließung von Supermärkten, Unverträglichkeiten von Medikamenten und von einem Genozid mit Biowaffen. Diese Nachrichten bauen auf dem auf, was all die schlechten Nachrichten verursacht haben: Angst, Panik und Unsicherheit. Das mögen zumindest in Maßen natürliche Reaktionen auf die aktuelle Lage sein, sie ebnen aber allzu oft den Weg für Fake-News, die uns Menschen noch verrückter machen.

Eine Studie der Universität in Michigan fand heraus, dass Menschen deutlich mehr Stresshormone produzieren, wenn sie negative News lesen, sehen oder hören. Und doch machen viele Medien eben damit ihr Geschäft. Man nennt dieses Phänomen Negativitätsverzerrung. Das bedeutet, dass Medien bewusst mehr Negatives als Positives berichten. Grund hierfür wird wohl der eingangs beschriebene sein: Negative Nachrichten interessieren uns mehr. Doch sie machen uns krank. Und das ist wissenschaftlich bewiesen. Dennoch sagt die Studie aus Michigan, dass diese Negativitätsverzerrung in den letzten Jahren weiter zugenommen hat.

Wir sollten uns unserer Gesundheit zuliebe also nicht nur an die Hygienemaßnahmen der Bundesregierung halten, sondern uns auch an verlässliche Medien halten und uns einer Sache bewusst sein: Wir haben Einfluss auf die Medien, die Medien haben Einfluss auf uns… Auf der einen Seite ist das gut, doch manchmal sollten die Nachrichtensender auf Fakten warten, ehe sie Halbwahrheiten streuen, nur um die ersten zu sein. So schlecht ist die Welt nicht, auch wenn wir sie so wahrnehmen. Und wenn wir einfach häufiger mal hinausgehen und nicht jede Nachrichten-Sondersendung stundenlang verfolgen, würden wir davon auch mehr mitbekommen.

Quellen:  tz.de, faz.net, zeit.de, Stuart Soroka: Negative News

Titelbild: MichaelGaida/ pixabay.com

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