Können Jungen und Mädchen beste Freunde sein?

Können Jungen und Mädchen beste Freunde sein?

Der Mythos, dass Jungen und Mädchen nicht beste Freunde werden können, ist weit verbreitet. Man ist der Ansicht, dass immer einer mehr will, als nur die Freundschaft. So unwahrscheinlich ist das nicht, wenn man bedenkt, wie schnell aus Freundschaft Liebe werden kann. Doch das muss nicht immer so sein. Oder? Ob reine Mädchen-Jungen-Freundschaften ohne Liebe und ohne Sex funktionieren können, möchte ich heute beleuchten.

Beste Freunde sind immer für dich da. Ihr könnt euch einfach alles anvertrauen, ihr seid ehrlich zueinander und versteht euch oft ohne Worte. Eure gemeinsamen Interessen, derselbe Humor und die Tatsache, dass ihr gerne Zeit miteinander verbringt, verbinden euch. Oft kann man auch körperliche Nähe genießen, ohne dass Sexualität im Spiel ist. Ihr wisst beide, dass zwischen euch nichts laufen wird, sodass nichts gegen Kuscheln beim DVD-Abend spricht.

Wer sich noch daran erinnert, wird feststellen, dass das im Kindergartenalter anfing. Während wir letzte Woche noch Jonas als besten Freund hatten, ist diese Woche Tim unser bester Freund. Letzte Woche haben wir Tina unsere Geheimnisse erzählt, diese Woche vertrauen wir sie lieber unser neuen besten Freundin Jule an. Was in diesem Alter völlig normal ist, ist in den späteren Jahren nicht mehr vorstellbar. Kinder müssen die Fähigkeit, bewusst Kontakte zu knüpfen, erst entwickeln. Das setzt Selbstbewusstsein inklusive Geschlechtsidentität voraus. Sie müssen erst lernen, sich in andere einzufühlen, um Freundschaften zu knüpfen.beste 

Chris Tray Höhne Photography

Mittel zum Zweck

In diesem Alter suchen sich Kinder ihre Freunde noch zweckorientiert aus. Malt man gern mit Fingerfarben, sucht man sich Freunde, die auch gerne malen, spielt man gern im Sandkasten, dann sucht man sich Freunde, die das ebenfalls tun. Kein Wunder also, dass derartige Freundschaften oft nicht von Dauer sind. Räumliche Nähe und Verfügbarkeit des Freundes stehen vor seiner Persönlichkeit. Was den Kindern in diesem Alter noch fehlt, ist das Verständnis für das Geben und Nehmen, das Grundbaustein einer jeden Freundschaft sein sollte. Außerdem ist es wichtig, dass Kinder lernen, sich selbst mit den Augen der anderen zu sehen, um gegebenenfalls Fehler einzusehen, Kompromisse zu finden und sich zu entschuldigen.

Jüngeren Kindern ist es oftmals noch egal, ob man mit einem Jungen oder einem Mädchen spielt. Solange beide dieselben Interessen haben, verstehen sie sich gut. Alter und Geschlecht sind dann relativ egal.

Erst im späten Kindesalter wird wichtig, wer unsere Freunde sind, wie alt sie sind und ob sie männlich oder weiblich sind. Gleichheit wird eine neue Voraussetzung für neue Freundschaften. Psychologen wissen aus verschiedenen Studien, dass beste Freunde meist gleichaltrig sind, das selbe Geschlecht haben und gemeinsame Interessen und Einstellungen teilen. Temperament und Charakter müssen sich jedoch nicht ähneln. Hier gilt der Grundsatz: Gegensätze ziehen sich an.

Die Interessen von Jungen und Mädchen unterscheiden sich oftmals bereits im Kindesalter. Mädchen spielen lieber mit Puppen, spielen Prinzessinen-Rollenspiele oder reden über Pferde. Wissenschaftler nennen dies „face-to-face-Spielen“.

Jungen hingegen suchen sich Freunde, mit denen sie etwas erleben können, gemeinsame Hobbys haben oder Fußballspielen können. Das sogenannte „side-by-side-Spielen“ ist charakteristisch für ein erstes maskulines Miteinander. Wissenschaftlich gesehen machen diese unterschiedlichen Weisen Freundschaften zu leben geschlechterübergreifende Freundschaften schwierig.

Wie wichtig ist Gleichheit für eine Freundschaft?

Beim Spielen wurde bereits deutlich, wie unterschiedlich Jungen und Mädchen sind. Während der ersten Schuljahre verschärft sich dies. Mädchen bevorzugen Freunde, mit denen sie über ihre Tage oder ihr erstes Mal reden können. Dabei vertrauen sie sich häufiger Gleichgesinnten an. Frauen fühlen sich von Männern oftmals nicht richtig verstanden. Auch Jungen reden lieber mit anderen Jungen über das hübsche Mädchen aus der Nachbarschaft. In der Schule ist es zudem häufig so, dass Jungen sich stärker abschotten als Mädchen. Während diese in der Regel kein Problem damit haben, sich auch mit Jungen auszutauschen, bevorzugen die Jungen es, unter sich zu bleiben. Mädchen werden nur akzeptiert, wenn sie gleiche Interessen haben und beispielsweise bei actionreichen Spielen wie Fußball mitmachen.

Dass die Annäherungsbereitschaft bei Jungen geringer ist als bei Mädchen ist laut Experten auf die heutige Gesellschaft zurückzuführen. Tragen Mädchen keine Kleider und spielen gerne Fußball, wird dies eher akzeptiert, als Jungen mit femininen Verhaltensweisen. Diese werden gemeinhin als Weichling betrachtet und erzeugen Skepsis in der Gesellschaft. Der Druck auf die Jungen ist also deutlich größer und es bedarf einer Menge Selbstbewusstsein, den Sticheleien der anderen Jungen standzuhalten, sollte man sich doch einmal einem Mädchen annähern.

Und dann kommt die Pubertät...

Das Leben der Teenager spielt sich in der Pubertät meist in Cliquen ab, also in Gruppen von Freunden und bekannten, die oftmals dieselben Interessen haben. Die Grenzen zwischen den Geschlechtern verschwimmen dann häufig wieder. Intensive Freundschaften sind zu dieser Zeit besonders wichtig. Sie dienen als Vorbereitung, sich im Erwachsenenalter vom Elternhaushalt abzulösen und sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung eines Jugendlichen.

Sehr oft entwickeln sich hierbei innige Freundschaften zwischen zwei Mädchen, nicht selten aber auch platonische Beziehungen zwischen Jungen und Mädchen. Solche Freundschaften können sich aber sehr schnell zu romantischen Liebesbeziehungen entwickeln. Beziehungswissenschaftler sind sich einig: Die Grenzen sind dabei fließend.  Genau diese Gefahr gilt es zu bannen. Doch das ist leichter gesagt als getan. In einer Studie gaben 44 Prozent der befragten Männer zu, sich von ihrer besten Freundin angezogen zu fühlen. Bei den Frauen waren es nur 31 Prozent. Wenn es uns gelingt, Sexualität und Liebe hinter uns zu lassen, dürfte einer besten Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen also nicht mehr im Wege stehen, oder?

Gegensätze ziehen an. Es ist sehr wohl möglich, dass Jungen und Mädchen beste Freunde werden – ohne Sex und ohne Liebe. Nicht nur das: Es wäre sogar wünschenswert, um das Verständnis für das andere Geschlecht zu stärken und die Toleranz gegenüber typisch weiblichen und typisch männlichen Verhaltensweisen zu vergrößern.

Es ist jedoch wichtig, sich an die Grenzen zu halten. Sexualität hat in der Freundschaft nichts verloren und sollte einer von beiden Gefühle für den anderen entwickeln, muss darüber gesprochen werden, auch wenn die Liebe nicht erwidert wird. Das ist zwar traurig, aber vielleicht sieht er/sie es ja auch als Kompliment, wenn du gestehst, dass du dich ein klein wenig verliebt hast.

Quellen: zdf.de, karrierebibel.de, kosmos.de

Titelbild: Chris Tray Höhne Photography

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