Plastik in den Meeren

Plastik in den Meeren

Der Begriff Plastik wird umgangssprachlich für alle Kunststoffe verwendet. Aufgrund ihrer Eigenschaften wie Formbarkeit, Elastizität, Bruchfestigkeit, Leichtigkeit und ihrer chemischen Beständigkeit werden Kunststoffe heutzutage vielfältig verwendet. Doch inzwischen hat Plastik keinen guten Ruf mehr. Aus vielerlei Gründen gilt der Gebrauch von Plastik als höchst fragwürdig: Als Ewigkeitslasten bezeichnet schwimmen Millionen Tonnen von Plastikabfällen in den Weltmeeren und Mikroplastik steht zunehmend im Verdacht, gesundheitsgefährdend zu sein.

Jedoch sind viele Konsumartikel ohne Plastik mittlerweile nicht mehr denkbar. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, die ohne Plastik inzwischen unvorstellbar erscheint – mit gravierenden Folgen weltweit.

Hans / pixabay.com

Deutschland und die Kunststoffindustrie

2015 waren in Deutschland rund 393.000 Menschen in den etwa 3.300 Unternehmen der Kunststoffindustrie tätig, davon 49.500 in der Erzeugung von Kunststoffen. Die deutsche Kunststoffindustrie erzielte in diesem Jahr einen Umsatz von 91 Milliarden Euro.

Die Herstellung von Kunststoffen ist eine sogenannte Folgeinnovation der Petrochemie, denn Plastik wird aus Erdöl hergestellt. Dafür wird das Erdöl in den Raffinerien in seine einzelnen Bestandteile – sogenannte Erdölfraktionen – getrennt. Auf diese Art und Weise wird Plastik seit den 1950er-/1960er-Jahren gewonnen. Etwa sechs Prozent des weltweit geförderten Erdöls werden so für die Herstellung von Kunststoffen verwendet. 

Verpackung, 4.250 kt 85%
Bau, 2.740 kt 55%
Automobile, 1.260 kt 25%
Elektronik, 725 kt 15%
Möbel, 475 kt 10%
Haushalt und Spielzeug, 355 kt 7%
Sonstiges, 2.255 kt 45%

Kunststoffverwendung 2015 in Deutschland

In Deutschland wird das meiste Plastik für kurzlebige Verpackungsprodukte verwendet. Ein Großteil der Lebensmittel, die wir im Supermarkt oder im Discounter kaufen können, ist in Plastik verpackt. Plastik ist günstig produzierbar, kann beliebig geformt werden, ist leicht und bruchsicher, sodass Lebensmittel hygienisch und sicher verpackt sind. Auf diese Weise sind Kühlwaren, Milchprodukte, Backwaren, Süßigkeiten, Drogerie- und Haushaltsprodukte und sogar Obst und Gemüse in Plastik verpackt. Auf der anderen Seite stehen langlebige Plastikprodukte, die etwa im Bauwesen und der Fahrzeugindustrie verwendet werden. Plastikrohre und Kunststofffenster sind langlebig und günstig. Plastikteile in der Fahrzeugproduktion sind nicht zuletzt wegen ihrer Leichtigkeit und der damit verbundenen Energieersparnisse gegenüber Glas und Metall im Vorteil.

Was geschieht mit dem Plastikmüll?

Die Vorteile, die Kunststoffe mit sich bringen haben nicht zuletzt zu dem Plastik-Boom geführt, in dem wir uns inzwischen wiederfinden. Gleichzeitig sind die großen Vorteile des Plastiks jedoch auch seine größten Nachteile. Mehr als siebzig Prozent der Weltbevölkerung leben an Küsten – viele davon in Megastädten von Schwellen- und Entwicklungsländern. Wachstum steht hier an erster Stelle, sodass oftmals Industrien boomen.

Aufgrund von Metropolisierungs- und Marginalisierungsprozessen stehen diese vor der großen logistischen Aufgabe, ein funktionierendes Abfallmanagement zu organisieren, das im Idealfall auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit beruht. In Deutschland gibt es beispielsweise das Kreislaufwirtschaftsgesetz, das eine Rangfolge der Abfallbewirtschaftungsmaßnahmen festlegt. An oberster Stelle dieser Abfallhierarchie in Deutschland steht die Vermeidung. Plastikmüll zu vermeiden wird jedoch für Verbraucher allein schon deshalb schwierig, weil die Produzenten all ihre Produkte in Plastik verpacken.

Kann Plastikmüll nicht vermieden werden, steht die Vorbereitung zur Wiederverwendung an zweiter Stelle. So werden Mehrwegflaschen beispielsweise aufbereitet und gereinigt, um dann erneut verwendet zu werden. Auch dies ist jedoch lange nicht bei allen Produkten möglich. Einwegbecher, Einwegflaschen, Zahnbürsten und Plastiktüten können in der Regel nicht wiederverwendet werden.

Einwegprodukte fallen in dieser Abfallhierarchie noch weiter nach unten durch. Beim Recycling werden einige von ihnen gereinigt, zerkleinert und zu neuen Plastikprodukten zusammengefügt.

Es gibt jedoch auch hier wieder Produkte, die aus verschiedenen Gründen nicht wiederverwertet werden können. Joghurtbecher, an denen noch der Aludeckel hängt können genauso wenig wiederverwertet werden wie beispielsweise schwarze Duschgelpackungen.

 

Papier und Einwegglasflaschen können hingegen besonders gut recycelt werden. Altpapier lässt sich bis zu fünf mal wiederverwerten, etwa für Kartons oder Klopapier. So hat Altpapier eine Recyclingquote von rund 85%. Einwegglasflaschen können nahezu beliebig oft eingeschmolzen werden – ohne Qualitätsverlust. Glas hat eine Recyclingquote von 82%.

Beim Plastikmüll ist dies jedoch problematischer. Selbst die modernen Sortieranlagen, die die deutsche Abfallwirtschaft aufweist, können den Müll nicht gut genug nachbereiten, wenn wir ihn zuvor nicht ordentlich trennen. In Deutschland werden nicht einmal 40% des Plastikmüll recycelt.

Plastikmüll, der auch nicht recycelt werden kann, gelant in die Verwertung. Hierbei handelt es sich meist um die energetische Verwertung also das Verbrennen des Plastikmülls. Plastikmüll kann auf diese Art und Weise an einigen Stellen Kohle und Öl als Brennstoff ersetzen.

Die letzte Stufe der Abfallhierarchie ist die Beseitigung also die Lagerung auf der Deponie oder die Ausschiffung. In Deutschland geschieht dies mit einem Prozent des Plastikmülls.

Plastik in den Weltmeeren

In den bereits erwähnten Entwicklungs- und Schwellenländern gibt es ein solches System nicht. Zwar werden Siedlungsabfälle bereits systematisch gesammelt, der Müll wird jedoch auf offenen Deponien gelagert und dann durch Wind und Niederschläge über die natürlichen Entwässerungssysteme ins Meer. Dieser Vorgang erklärt etwa 80% des alljährlich in die Weltmeere gelangenden Plastikmülls.

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Millionen Tonnen Plastik schwimmen derzeit in unseren Meeren.
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Prozent des Mülls an Stränden besteht aus Plastik.
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Gramm Plastik schwimmen pro Kilogramm Fisch derzeit in den Meeren. Schon 2050 könnten es 5 Kilogramm Plastik pro Kilogramm Fisch sein.

Mehr als fünf Billionen Plastikteile unterschiedlicher Größe schwimmen derzeit in etwa in unseren Weltmeeren. Der große Vorteil der Langlebigkeit wird plötzlich zum gravierenden Verhängnis, denn der Plastikmüll wird im Meer nicht biologisch abgebaut.

Im Gegenteil: Plastiktüten werden von Schildkröten und Delfinen als Quallen wahrgenommen und gefressen, es bilden sich gigantische Plastikstrudel und Vögel verfangen sich in Tüten, ersticken an Plastikteilen oder verhungern, weil sie Plastik gefressen haben. Nationalgeographic geht davon aus, dass 2050 jede Meeresvogelart Plastik fressen wird.

Der größte Verursacher von Plastikmülleintrag ins Weltmeer ist China. Jährlich gelangen 2,4 Millionen Tonnen Plastikmüll allein aus China ins Meer. Hier leben rund 263 Millionen Menschen an der Küste. Prognosen zufolge wird sich der Plastikmüll hier bis 2025 noch einmal verdoppeln. Aus Europa und Zentralasien gelangen jährlich 0,56 Millionen Tonnen Plastik ins Meer. Mit 0,36 Millionen Tonnen pro Jahr verschuldet Nordamerika den geringsten Plastikmülleintrag in die Weltmeere. Somit stammen 82% des Plastikmülls in den Meeren aus Asien, nur zwei Prozent aus Europa und den USA.

Was können wir tun?

Plastik und Mikroplastik werden zum weltweiten Problem. Während das eine unsere Umwelt zerstört, soll das andere schlecht für unsere Gesundheit sein. Fakt ist: Plastik hat längst nicht mehr den guten Ruf, den es einst genossen hat. Problematisch sind vorallem Verbindungen mit Plastik, weil diese eine Wiederverwertung oft unmöglich machen. 

Getränkekartons sind oft von innen mit Aluminium beschichtet, Prospekte mit Kunststoff beschichtet, der Joghurtdeckel aus Aluminium, und Kassenzettel sind aus Thermopapier und gehören deshalb ebenfalls nicht in den Papiermüll. Das korrekte Mülltrennen scheint plötzlich unendlich schwierig zu sein. Dabei ist es für ein erfolgreiches Recycling unglaublich wichtig, den Müll möglichst gut vorzusortieren.

Da der Verzicht auf Plastik wirklich schwierig ist, soll das neue Verpackungsgesetz die Recyclingquote in die Höhe schießen lassen. Das Gesetz, das zum 01.01.2019 in Kraft trat, soll dafür sorgen, dass künftig bis zu 63% der Kunststoffe recycelt werden, indem etwa mehr Getränke mit Pfand verkauft werden. Wünschenswert wäre dies insbesondere deshalb, weil rund 40% der Kunststoffe nur einmal verwendet und dann weggeworfen werden.

Wenn wir also schon nicht auf Plastikmüll verzichten können, sollten wir in Zukunft zumindest verstärkt darauf achten, dass möglichst viel Müll recycelt werden kann. Wie das am besten funktioniert, verrate ich dir in der nächsten Woche!

Plastik ist ein globales Problem, das jeder von uns zu verantworten hat. Denn jeder kommt tagtäglich in Berührung mit Plastik, kauft dieses ein, schmeißt dieses weg. Beim Einkaufen künftig die lose Paprika zu kaufen und sich an der Kasse gegen eine Plastiktüte zu entscheiden, ist ein guter Anfang – auch wenn dieser unser Plastikproblem nicht lösen wird.

Quellen: World Economic Forum 2016, Intenational Union for Conservation of Nature 2017, spiegel.de, zeit.de, nationalgeographic.de

Titelbild: Hans/ pixabay.com

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