Offene Beziehung – Partnerschaft mit Freifahrtschein?

Offene Beziehung - Beziehung mit Freifahrtschein?

Das traditionelle Familienbild aus Vater, Mutter und Kind wurde längst überholt. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen inzwischen heiraten und auch das binäre Geschlechtersystem wurde mittlerweile abgelöst. Auch Beziehungen sind längst nicht mehr auf eine monogame Partnerschaft begrenzt. In einer Zeit, in der Monogamie schnell als altmodisch gilt, greifen immer mehr Paare auf eine offene Beziehung zurück. Getreu dem Motto „Jedes Essen verliert seinen Geschmack, wenn man es jeden Tag isst“ sucht sich ein jeder Partner andere Sexualpartner. Doch kann eine offene Beziehung wirklich der Schlüssel zu einer glücklichen Beziehung sein?

Gaelle Marcel / unsplash.com

Treue ist der Grundstein für eine Beziehung, oder?

Einer Theratalk®-Studie zufolge erwarten 97% der Männer und Frauen im deutschsprachigen Raum absolute Treue von ihrem Partner. Ein Seitensprung bedeutet häufig das Aus für eine Beziehung. Nur wenn der Partner wirklich Reue zeigt, würdet ihr einen Seitensprung verzeihen. Das ergab die Umfrage zum Thema „Seitensprung“ auf meinem Blog. Es gibt jedoch auch eine Gruppe von Paaren, denen die sexuelle Treue nicht ganz so wichtig ist. Sie leben in einer offenen Beziehung

Anders als in einer monogamen Beziehung verzichten in einer offenen Beziehung beide Partner auf die sexuelle Treue ihres Partners. Wissenschaftler definieren eine offene Beziehung durch beidseitiges Einverständnis, dass der Partner/die Partnerin außerhalb der Beziehung sexuelle Kontakte hat und der ausdrücklichen beidseitigen Äußerung dieses Einverständnisses. Nur wenn diese beiden Kriterien erfüllt sind, kann man von einer offenen Beziehung sprechen.

Studien zeigen, dass Paare, die eine offene Beziehung führen, durchschnittlich weder glücklicher noch unglücklicher sind als andere Paare. Dies gilt aber nur, solange beide Partner explizit mit der Führung einer offenen Beziehung einverstanden sind, also auf die sexuelle Treue innerhalb der Partnerschaft verzichten können. Die Theratalk®-Studie zum Thema „Offene Partnerschaft“, in der 10.000 Männer und Frauen befragt wurden, die mindestens ein Jahr lang in einer Beziehung lebten, zeigte, dass dies nur bei etwa einem Prozent der Befragten zutraf.
Etwa drei Prozent der Befragten führen zwar eine offene Beziehung, hierbei ist es jedoch nur ein Partner, der sich die sexuellen Freiheiten herausnimmt, indem er die Beziehung einseitig zu einer offenen Beziehung macht, während der andere Partner damit nicht einverstanden ist. Wissenschaftler nennen diese Beziehungen pseudo-offen. Derartige Beziehungen entstehen, wenn ein Partner sich beispielsweise nach einem intensiveren oder aufregenderen Sexleben sehnt, sich aber gleichzeitig nicht von seinem Partner trennen möchte. Auch der andere Partner möchte sich in einer solchen Situation nicht unbedingt trennen und geht diese offene Beziehung dem Partner zuliebe ein. Der dabei auftretende Konflikt zwischen sexueller Lust und Liebe sorgt dafür, dass derartige Paare unglücklicher sind als andere.

Partnerschaft mit Freifahrtschein - Kann das Funktionieren?

„Nein!“, sagen die Skeptiker.  Viele Menschen möchten ihren Partner/ihre Partnerin nicht teilen. Jedoch ist es Teil der Individualentwicklung und eine ganz persönliche Entscheidung, ob man ein derartiges Beziehungsmodell führen kann und will. während man heranwächst, bildet man sich seine Meinung, erschafft sich seine Persönlichkeit und lebt schließlich ein Leben nach eigenen Vorstellungen. Einige Menschen können auf die sexuelle Treue nicht verzichten. Eifersucht spielt bei dieser Entscheidung eine große Rolle. Sie ist letztendlich einer der ausschlaggebenden Faktoren für die Entscheidung „Offene Beziehung vs. Monogame Beziehung“.

„Ja!“, meint hingegen der Diplompsychologe Robert A. Coordes, Leiter des Berliner Instituts für Beziehungsdynamik. „Eine offene Beziehung kann genau so gut funktionieren wie eine sogenannte ’normale Beziehung‘. Für uns Therapeuten funktioniert eine Beziehung dann gut, wenn beide Partner sich entwickeln und differenzieren können. Es gibt nicht die eine, ideale Beziehungsform.“
In der Theorie soll das Öffnen einer kriselnden Beziehung diese am Ende sogar retten können. Viele Partner sehnen sich nach dem erneuten Gefühl, Schmetterlinge im Bauch zu haben. Angeblich soll eine offene Beziehung ihnen dieses Gefühl wiederbringen können, somit die Zufriedenheit beider Partner steigern und so die Hauptbeziehung festigen und erhalten.

Offene Beziehungen scheitern an mangelnder Offenheit

Regeln und Reden sind die wichtigsten Faktoren für dieses Beziehungsmodell. Es muss festgelegt werden, was erlaubt ist, worüber geredet werden soll und was besser ungesagt bleibt. Will man wirklich wissen, wie die Nacht des Partners mit jemand anderem war? Was ist, wenn da Gefühle mit im Spiel sind? Für eine offene Beziehung ist die Offenheit unumgänglich. Eifersucht und Vertrauen spielen beiden Partnern in die Karten und machen die Situation nicht unbedingt einfacher. Denn was häufig vergessen wird: Auch der andere Partner darf mit anderen ins Bett.

Wer sich für eine offene Beziehung entscheidet, sollte sich deshalb unbedingt an feste Regeln halten, die beide Partner vorher miteinander besprechen müssen. Darf Besuch in die eigenen vier Wände eingeladen werden? Wie oft darf man mit ein und derselben Person schlafen?  Es gibt viele Fragen, die im Voraus geklärt werden müssen.

Quellen: zeit.de, gofeminin.com, der-albrecht.net, theratelk.de, jetzt.de

Titelbild: Photo by Gaelle Marcel on Unsplash

Gesellschaft

Gendern in der Sprache

Sollten wir in unserer Sprache gendern – gar eine ganze Gendersprache durchsetzen? Vor- und Nachteile einer gendergerechten Sprache.

Gesellschaft

Ist es okay, in diese Welt Kinder zu setzen?

Ist es okay, Kinder in diese Welt zu setzen? Statistisch gesehen kommen die meisten Kinder im Sommer zur Welt. Was gibt es Schöneres als strahlenden Sonnenschein, wenn der kleine Sonnenschein das Licht der Welt erblickt? Während im Jahr 1960 noch der März der geburtenreichste Monat war, hat der Juli inzwischen diesen Platz übernommen. Auch ist eine neue Debatte entbrannt: Ist

Gesellschaft

Weltfrauentag – Frauen und Kinder zuerst!

Weltfrauentag – Frauen und Kinder zuerst! Das Thema „Gleichberechtigung der Frauen“ ist wieder einmal in aller Munde. Es geht um gendergerechte Sprache, um Frauen in Führungspositionen und um die Gleichberechtigung von Mann und Frau. 1910 forderte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin die Einführung eines internationen Frauentags vor. Doch bereits zwei Jahre zuvor hatten Frauen der sozialistischen Partei Amerikas einen Kampftag

Gesellschaft

Inklusion – Eine Schule für alle Kinder

Eine Schule für alle Kinder – kann Inklusion gelingen? Erst 2009, als Deutschland die UN-Behindertenrechtskonventionen ratifizierte, wurde Inklusion zum Muss an deutschen Schulen. Dadurch erhalten auch Menschen mit Behinderungen einen gleichberechtigten Zugang zu inklusiven, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen. Inklusion bedeutet also, dass Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam beschult werden.  Einen solchen besonderen Förderbedarf haben

Hinterlasse einen Kommentar:

Your email address will not be published.