Corona – Welcher Impfstoff ist am besten?

Corona - Welcher Impfstoff ist der beste?

Impfstoffe konnten bereits in der Vergangenheit einen wesentlichen Teil dazu beitragen, dass Infektionskrankheiten nahezu ausgelöscht werden konnten. Bereits im 19. Jahrhundert konnte mit einem Impfstoff eine Krankheit bekämpft werden. Die Pockenepidemie 1870-1872 forderte allein in Deutschland rund 181.000 Tote. Die Sterblichkeit der Infektion wurde auf etwa 15% geschätzt. Dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Welt im Jahr 1980 für pockenfrei erklären konnte, ist auch das Ergebnis der flächendeckenden und konsequenten Durchimpfung der Bevölkerung. Nun bieten auch verschiedene Impfstoffe gegen das Coronavirus einen Lichtblick in der Pandemie.

torstensimon / pixabay.com

Die Geschichte der Impfung

Die Entdeckung der Immunität geht bereits auf Beobachtungen aus Antike und Mittelalter zurück. Mediziner erkannten, dass Menschen, die die Pest oder die Pocken überlebt hatten, gegen spätere Ausbrüche dieser Krankheiten immun waren. Diese Beobachtung sorgte dafür, dass Gelehrte Menschen durch eine absichtliche Ansteckung immunisieren wollten.

Der Mediziner Edward Jenner lebte um 1800 in Europa. Zu dieser Zeit starb etwa jeder siebte Infizierte an den Pocken. Als Landarzt beobachtete Jenner, dass sich viele Frauen beim Kühemelken mit den für sie ungefährlichen Rinderpocken infizierten, anschließend jedoch immun gegen die eigentlich lebensgefährlichen Pocken zu sein schienen. Er begann seine Forschung zu der These, die Rinderpocken würden vor einer Infektion mit den „richtigen“ Pocken schützen. 1796 infizierte er in einem Versuch einen 8-jährigen Jungen zunächst mit den ungefährlichen Rinderpocken und anschließend mit den „echten“ Pocken. Der Versuch bestätigte Jenners These: Der Pocken-Impfstoff (Vakzin) war geboren.

Die aktive Immunisierung war wegweisend für die rasante Entwicklung der Impfung. So stellte der französische Chemiker Louis Pasteur 1880 einen Impfstoff gegen Cholera und ein Jahr später gegen Milzbrand her. 1884 entwickelte der Franzose einen Impfstoff gegen Tollwut – all das, bevor die Krankheitserreger im 19. Jahrhundert überhaupt entdeckt wurden.

Wie eine Impfung uns aus der Corona-Pandemie führen könnte

Die Impfung scheint ein Lichtblick am Horizont dieser Pandemie zu sein. So schnell wie noch nie wurde ein Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt, getestet und noch im selben Jahr zugelassen. Langzeitstudien gibt es deshalb noch nicht. Im Idealfall soll der Impfstoff drei Dinge bewirken:

  • den Ausbruch einer Infektion verhindern, um Infektionszahlen zu senken
  • die Schwere des Verlaufs mindern, um die Letalität zu senken
  • die Weitergabe des Virus eindämmen, um die Infektionskette zu unterbrechen

Vereinfacht gesagt soll der Impfstoff dazu beitragen, das Infektionsgeschehen einzudämmen und die Folgen des Coronavirus‘ zu reduzieren. Damit das funktioniert, müssten jedoch laut Angaben des Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zunächst rund zwei Drittel der Bevölkerung geimpft werden. Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Das Robert-Koch-Institut meldete am 28. Februar 2021 insgesamt 6.174.362 verabreichte Impfdosen.

1000
verabreichte Erstimpfungen
(Impfquote: 4,9%)
1000
verabreichte Zweitimpfungen
(Impfquote: 2,5%)

Quelle: RKI (externer Link), Stand: 28.02.2021

Um einen vollständigen Impfschutz gewährleisten zu können, sieht etwa die Ständige Impfkommission (STIKO) zwei Impfungen mit einem Vakzin gegen das Coronavirus im Abstand von einigen Wochen vor. Diese Zweitimpfung haben derzeit nur 2,5% der Bevölkerung in Deutschland erhalten.

Biontech/Pfizer, Astra Zeneca oder Moderna - Worin unterscheiden sich die Impfstoffe?

In Deutschland sind derzeit drei Impfstoffe offiziell zugelassen. Den Anfang machte der Impfstoff von Biontech und Pfizer. Er ist gleichzeitig der einzige derzeit zugelassene Impfstoff, an dem mit Biontech auch ein deutsches Unternehmen beteiligt ist. Das Vakzin muss bei Minustemperaturen transportiert werden. Kurze Zeit später wurde der Impfstoff des amerikanischen Unternehmens Moderna zugelassen. Hierbei ist eine Kühlung im Kühlschrank ausreichend. Der dritte Impfstoff stammt von dem britischen Unternehmen Astra Zeneca, der schon wenige Wochen nach der Zulassung ein Imageproblem zu haben scheint.

Biontech / Pfizer Moderna Astra Zeneca
Forschungs-name
BNT162b2
mRNA-1273
AZD1222
Handels-name
Comirnaty
Tozinameran (INN)
COVID-19 Vaccine Moderna dispersion for injection
COVID-19 mRNA Vaccine (nucleoside modified)
Vaxzevria
COVID-19 Vaccine AstraZeneca
COVID-19 Vaccine (ChAdOx1 S [recombinant])
Impfstoff-typ
mRNA (eingebettet in Lipid-Nanopartikel)
mRNA (eingebettet in SM-102-Lipid-Nanopartikel)
ChAdOx1-S* rekombinant 5×1010 Viruspartikel
Dosierung
2x 0,3ml; zweite Impfung ca. 3 Wochen nach Erstimpfung

Empfehlung STIKO: 4 bis 6 Wochen nach Erstimpfung
2x 0,5ml; zweite Impfung ca. 4 Wochen nach Erstimpfung

Empfehlung STIKO: 4 bis 6 Wochen nach Erstimpfung
2x 0,5ml; zweite Impfung 4-12 Wochen nach Erstimpfung

Empfehlung STIKO: 9 bis 12 Wochen nach Erstimpfung
Anwendung
ab 16 Jahren
ab 18 Jahren
zwischen 18 und 64 Jahren
Neben-wirkungen
Schmerzen an der Injektionsstelle (>80%)
Müdigkeit (>60%)
Kopfschmerzen (>50%)
Muskelschmerzen (>30%)
Schüttelfrost (>30%)
Gelenkschmerzen (>20%)
Fieber (>10%)
Schmerzen an der Injektionsstelle (<84%)
Müdigkeit (<70%)
Kopfschmerzen (>37%)
Muskelschmerz (>20%)
Gelenkschmerz (>17%)
Schüttelfrost (>10)
Übelkeit / Erbrechen (>10%)
Lymphknotenschwellung (<10%)
Fieber (<15%)
Schmerzen an der Injektionsstelle (>60%)
Kopfschmerzen (>50%)
Müdigkeit (> 50%)
Muskelschmerzen (>40%)
Unwohlsein (> 40%)
Fieber (>30%)
Schüttelfrost (>30%)
Gelenkschmerzen (>20%)
Übelkeit (> 20%)
Kosten
ca. 12 Euro
ca. 15 Euro
ca. 1,78€
Wirksam-keit
95%
94,5%
70%

*) Vektor-Impfung

Impfstoffe im Vergleich (Biontech/Pfizer, Moderna und Astra Zeneca)

Wie wirken die unterschiedlichen Impfstofftypen?

Im Zusammenhang mit der Bekämpfung der SARS-CoV-2-Pandemie spielen vier verschiedene Impfstoffarten eine besondere Rolle. Die Unterscheidung ist abhängig davon, wie der Impfstoff hergestellt wird und aus welchen Bestandteilen er besteht. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus können diese vier Impfstofftypen eine Rolle spielen:

  • Lebendimpfstoffe, bzw. lebend-attenuierte Impfstoffe
  • Totimpfstoffe
  • Vektorimpfstoffe
  • mRNA-Impfstoffe

Ziel jedes Impfstoffes ist es, dass der Körper eine passende Immunantwort gegen das Virus entwickelt, um eindringende Viren erkennen und abwehren zu können.

Lebendimpfstoff

Sie enthalten lebensfähige Erreger, deren krankmachenden Eigenschaften jedoch abgezüchtet wurden. Das Immunsystem leistet die Abwehr also eigenständig, ohne dabei zu erkranken.

Zum Beispiel: Masern, Mumps, Röteln.

Totimpfstoff

Hier werden abgetötete, also nicht mehr lebensfähige, Erreger oder einzelne Bestandteile dieser verabreicht. Der Körper kann dann ebenfalls eine Immunabwehr gegen diese Erreger herstellen.

Zum Beispiel: Hepatitis A und Influenza.

Vektorimpfstoff

Vektoren nennt man für den Menschen ungefährliche Viren. Damit der Körper eine Immunantwort gegen einen Virus aufbauen kann, muss ein Molekül aus der Hülle des Vektors mit einem Molekül des Erregers ausgetauscht werden. Der Körper liest dann die zusätzlichen Informationen des Erregers aus und bildet Abwehrkörper.

Zum Beispiel: Ervebo gegen Ebola.

mRNA-Impfstoff

Im mRNA-Impfstoff werden keine Bestandteile des Erregers injiziert. Stattdessen enthält der Impfstoff Informationen zur Herstellung einzelner Antigene. Der Körper produziert diese Antigene und bildet anschließend eine Immunabwehr aus.

Zum Beispiel: Tollwut.

Welche Auswirkung haben die Impfstoffe auf den Körper?

In der Regel sind alle zugelassenen Impfstoffe sicher. Sie machen laut Bundesministerium für Bildung und Forschung weder krank noch ist es wahrscheinlich, dass sie das Erbgut beeinträchtigen. Die Skepsis gegenüber den Impfstoffen war schneller vorhanden als deren Zulassungen.

Die Sorge, der mRNA-Impfstoff könnte die DNA beeinflussen und sich auf ungeborene Kinder auswirken, konnte inzwischen widerlegt werden. mRNA wird relativ zügig vom Körper abgebaut und hat keine Auswirkungen auf die DNA. Anders verhält es sich bei Vektor-Impfstoffen. Hier werden in DNA umgewandelte Virussequenzen in den Körper injiziert. Die DNA muss in körpereigenen Zellen dann zu mRNA umgewandelt werden. Weil die hierfür notwendigen Enzyme nur im Zellkern vorhanden sind, gelangen diese Informationen dorthin, wo auch unsere Erbinformationen gespeichert sind. Auch der Windpocken-Impfstoff gelangt etwa in den Zellkern, kann jedoch nicht in die DNA übergehen. Aktuelle Studien zeigen, dass die auf Adenoviren basierenden Vektorimpfstoffe, wie der von Astra Zeneca, jedenfalls kaum auffallen. Wissenschaftler gehen zudem davon aus, dass Immunzellen alle Körperzellen, bei denen Adenovirus DNA integriert ist, nach wenigen Wochen abgetötet hätten. »Ich sehe deshalb in den Corona-Impfstoffen auf Basis von Adenoviren keine langfristige Gefahr«, sagt etwa Professor Dr. Stefan Kochanek, Direktor der Abteilung Gentherapie am Uniklinikum Ulm.

»Wir Menschen haben regelmäßig Adenovireninfektionen. Sie verursachen Erkältungssymptome, Augenentzündungen oder Magen-Darm-Probleme, aber Spätfolgen wie Tumorerkrankungen kennen wir nicht – trotz intensiver Forschung über Jahrzehnte.«

Professor Dr. Friedemann Weber

Direktor des Instituts für Virologie an der Uni Gießen

Auch wenn ein geringes Risiko zu bleiben scheint, ist dieses geringer als durch die Langzeitfolgen einer Coronainfektion zu Schaden zu kommen. Denn eines bewirkt auch der Impfstoff von Astra Zeneca: Er schützt vor schweren Verläufen, weil er den Körper dazu anleitet, eine Immunantwort auf das Virus vorzubereiten. Eine Wirksamkeit von 70% bedeutet also nicht, dass 30% der Geimpften keinen Schutz haben, sondern vor allem, dass 70% der Geimpften nicht erkranken.

CC-BY-NC-ND, Quelle: BzgA Köln

Quellen: gelbe-liste.de, vfa.de, zdf.de, bmbf.de, aerztezeitung.de, apotheken-umschau.de, morgenpost.de, rki.de, 

Titelbild: torstensimon / pixabay.com

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