Dating in der Pandemie – Wie funktioniert das?

Dating in der Pandemie

Endlich wird das Wetter wieder schöner, es wird wärmer, Vögel zwitschern, Blumen blühen und die Bäume bilden wieder sattgrüne Blätter. Doch die Frühlingsgefühle werden in diesem Jahr erneut von der Corona-Pandemie überschattet. Doch Dating hat sich längst gewandelt. Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Apps und Plattformen, die für das Online-Dating gedacht sind. Wie funktioniert das Dating in der Pandemie?

Photo by Pratik Gupta on Unsplash (externe Links)

Die Geschichte des Online-Datings

Die berühmten „Frühlingsgefühle“ gab es vermutlich schon, bevor an Online-Dating auch nur gedacht werden konnte. Doch auch das Online-Dating kann bereits auf eine Geschichte von mehr als 60 Jahren zurückblicken. Die Harvard-Studenten Jim Harvey und Phil Fialer nutzten bereits 1959 einen der ersten Computer, um mittels eines Fragebogens 49 Männer und 49 Frauen miteinander zu verkuppeln. Seither spielten IBM-Computer Amor. Der Grundsatz – durch die Beantwortung eines Fragebogens eine*n perfekte*n Partner*in zu finden, interessierte auch die Wissenschaft. 

»Im Grunde gab es bereits in den 30er-Jahren ein großes wissenschaftliches Interesse an der Partnerwahl und an den Paarbeziehungen. In den USA haben da vor allem Soziologen und Psychologen die Grundsätze einer glücklichen, das hieß vor allem langhaltenden Ehe untersucht.«

Dr. Michael Homberg

Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

Grund für dieses Interesse war insbesondere die Scheidungsrate, die seit Beginn der 1930er-Jahre massiv angestiegen war. Nach ersten Erfolgen folgten 1968 der Service „Data-Mate“ am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und 1974 „Cherry Blossoms‘ mail order brides“, ein Katalog, in dem Mann sich eine Frau für eine Hochzeit vermitteln lassen konnte. 1976 startete das Video-Dating, bei dem man eine*n potentielle*n Partner*in zunächst über ein kurzes Video kennenlernte. Erste Chat-Rooms („pink chat rooms“) für das Dating gibt es seit 1980.

Erstes Online-Dating-Portal

Mit Matchmaker.com geht das erste Dating-Portal der Welt online. Es basiert auf der altbekannten Technik: Fragebogen ausfüllen, Matches finden.

1986

Erste moderne Dating-Plattform

kiss.com heißt die erste moderne Dating-Plattform im Netz.

1994

Und der Rubel rollt...

Mit match.com geht der erste Service online, der eine Bezahlfunktion beinhaltet. Außerdem berücksichtigt der Dienst erstmal verschiedene Communities - auch die LGBTQ*-Community.

1995

Dates für jede*n

"JDate" heißt die Plattform, die sich speziell an jüdische Singles richtet. Ihr folgen Seiten, die sich an eingegrenzte Gruppen richten (z.B. Singles über 50, Christen, ...)

1997

"Ich parshippe jetzt!"

Mit Lovescout-24.de geht Deutschlands inzwischen mitgliederstärkste Partnervermittlung online. Ein Jahr später folgt der Dienst Parship.

2001

"Jemand ist in deiner Nähe."

Via Bluetooth informiert der neue Dienst Proxidating Nutzer, wenn ein Match in der Nähe ist.

2003

Erste Plattformen für gleichgeschlechtliche Dates

"Grindr" und "Scruff" - das sind die Namen zweier der ersten Dating-Plattformen, die sich speziell an homo-, bi- und transsexuelle Männer richten. Scruff hat 2013 eine Community für HIV-positive Männer hinzugefügt.

2009/2010

"It's a match!"

Die Dating-App Tinder startet. Die App erinnert ein wenig an Speed-Dating. Nutzer*innen sehen Profile und entscheiden mit einem Wisch nach links (NEXT) oder einem Wisch nach rechts (MATCH), ob sie Interesse daran hätten, die Person näher kennenzulernen. Nur, wenn beide Seiten ein Match wählen, kann Kontakt aufgenommen werden.

2013

Online-Dating boomte bereits vor der Pandemie

Inzwischen ist der Markt voll von Single-Börsen, Partnervermittlungen und Dating-Apps. Nicht alle sind kostenfrei. Insbesondere Plattformen, bei denen Geld verlangt wird, können zur Kostenfalle werden, wie etwa das Erste in „Vorsicht, Verbraucherfalle!“ (externer Link) warnt.

Die Plattformen erfreuten sich bereits vor der Corona-Pandemie großer Beliebtheit. Noch nie war es so einfach, neue Bekanntschaften zu machen oder die große Liebe kennenzulernen. Die Plattform Parship wirbt sogar damit, dass sich „alle 11 Minuten“ ein Single über die Plattform verliebe und dass „9 von 10 Parship-Paaren“ zusammenblieben. Dating-Plattformen ermöglichen das unkomplizierte Kennenlernen – auch über Distanz. Doch der wahre Grund für die wachsende Beliebtheit solcher Portale ist die Zeiteffizienz. Wir müssen niemanden mehr treffen, den wir nicht vorher digital schon ein wenig kennengelernt haben. Dabei lernen wir in der selben Zeit vielleicht sogar mehrere mögliche Kandidat*innen kennen. Es ist kaum noch vorstellbar, wie lange es dauern würde, all diese Menschen bei einem ersten Treffen persönlich kennenzulernen.

Online-Dating ist einfacher und schneller, es passt in den digitalisierten Alltag unserer Gesellschaft, die nahezu immer und überall erreichbar ist. Und es passt perfekt in die Pandemie, in der das oberste Gebot ist, Kontakte zu reduzieren. Doch kann es hier auch genau das Gegenteil bewirken, etwa wenn man sich regelmäßig mit unterschiedlichen Personen trifft.

Wenn es zum ersten Date kommt...

„It’s a match!“ – Wenn das Online-Kennenlernen zu einem realen Date führt, kann das zu Zeiten der Pandemie etwas ganz besonderes sein, denn Sozialkontakte sind derzeit durchaus rar. Aber auch wenn die Schmetterlinge verrücktspielen, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der nähere Kontakt grundsätzlich mit einem Risiko verbunden sein könnte.

Doch davon sollte man sich nicht beirren lassen, denn es gibt trotzdem ein paar wunderbare Ideen, um aus einer Online-Bekanntschaft bei einem Ersten Date etwas ganz Besonderes zu machen. Doch die derzeitigen Corona-Maßnahmen schränken unsere Möglichkeiten beim Ersten Date weit ein. Restaurants und Cafés sind geschlossen und auch Museen, Kinos oder andere Aktivitäten sind zur Zeit noch nicht möglich. 

Ein Spaziergang in der Frühlingssonne

Die warmen Frühlingssonnenstrahlen, das muntere Zwitschern der Vögel und der Duft der ersten Blüten – das sind nur drei gute Gründe für einen gemütlichen Spaziergang zu Zweit. Diese Idee birgt jedoch noch viel mehr Potenzial: Eine Ansteckung ist an der frischen Luft deutlich unwahrscheinlicher als in geschlossenen Räumen, durch die frische Luft und das Sonnenlicht steigt die Stimmung und bei dem Spaziergang kann man sich bei intensiven Gesprächen besser kennenlernen. Vielleicht springt ja sogar der Funke über, wenn sich beim Gang nebeneinander rein zufällig die Hände berühren. Durch eine kleine Vorbereitung kann hier zusätzlich gepunktet werden: Ein Getränk (zum Beispiel selbstgemachte Limonade, heiße Schokolade oder Eistee) oder Snacks (etwa geschnittenes Obst, das du mit Gabeln servierst) können einen wunderbaren ersten Eindruck machen.

Der virtuelle Restaurantbesuch

Wenn ihr nicht ins Restaurant gehen könnt, lasst das Restaurant zu euch kommen. Wenn ihr euch gegenseitig eure Adressen anvertraut, kann jede*r für die andere Seite Essen bestellen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Lieferzeit ungefähr gleich ist, damit nicht eine*r so lange warten muss, bis das Essen kalt ist. Bei einer Videokonferenz könntet ihr dann gemeinsam essen. Natürlich lässt sich die Idee auch umsetzen, wenn man sich trifft. Um das Wetter zu genießen, könnte man das bestellte Essen auch mit nach Draußen nehmen. Achtet aber bitte darauf, sämtlichen Müll auch wieder mitzunehmen! Einige Lieferdienste sind sogar dafür zu haben, euch das Essen direkt draußen auszuliefern!

Online Gin- oder Wein-Tasting

Seit Beginn der Pandemie ist der Markt für digitale Tastings explodiert. Mit professioneller Begleitung via Videoübertragung erhält man so zum Tasting interessante Informationen rund um die Tropfen, die man gerade probiert. Ein Paket mit den entsprechenden Getränken wird im Voraus postalisch zugestellt, sodass einem Tasting auf dem eigenen Sofa nichts mehr im Wege steht.

Quellen: daserste.de, deutschlandfunk.de, zeithistorische-forschungen.de, stylight.de, ninadeissler.de (externer Link)

Titelbild: Pratik Gupta / unsplash.com

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